06.06. nach einem späten Frühstück fuhren wir über den Top of the World Highway, der von Alaska in den USA in den Yukon nach Kanada führt. Der Highway ist vom Straßenbelag eine Katastrophe, Schotter-/Schlammpiste, Bodenwellen wechseln sich ab, nicht unbedingt eine entspannte Fahrt, jedoch sehr sehenswert. Die Straße führte u.a. durch Chicken, eine alte Goldgräbersiedlung, die allerdings nicht viel zu bieten hat. Also ging es nach einem kurzen Fotostop weiter...der Grenzübertritt in Little Gold Creek nach Kanada hinein lief sehr entspannt ab. Also jetzt nach Dawson City, eine Stadt, in der man sich um Jahre zurückversetzt vorkommt. Früher wurde hier nach Gold geschürft, mit mehr oder weniger Erfolg. Die Angestellten in der Touristeninfo empfangen uns in der zu jener Zeit modernen Kleidung, die bunten Holzhäuser mit Holzstegen davor (die Straße ist bei Regen eine Schlammpiste !), Gerties Spielhalle, die in 1971  eröffnet wurde und zu der Zeit das einzige legale Spielcasino Kanadas war, alles dies läßt ein wenig an eine Westernstadt erinnern. Auf dem Yukon-Fluß fährt der Raddampfer. Dieses Städtchen ist eine nette Abwechslung und für uns Ausgangspunkt, um den Dempster Highway in Richtung Polarmeer zu fahren. 

07.06. am nächsten Morgen mußten wir erst einmal auf dem Campingplatz 2 Maschinen Wäsche waschen, danach war der Bus an der Reihe, um ihn erst einmal mittels Hochdruckreinigers zu entschlammen. Auch das muß einmal gemacht werden. Mittags schlenderten wir durch das Örtchen, um uns unter anderem in einem einem anderen Touribüro Infos zum aktuellen Zustand des Dempster Highways zu erkundigen. Denn es muß dazugesagt werden, daß der Highway teilweise nach dem Winter erst zu Anfang Juni wieder geöffnet wurde, da er vorher nicht befahrbar ist. Das heißt, der 742 km lange Highway, der über den Polarkreis hinausgeht, verläuft über eine isolierende Schotterschicht über dem Permafrostboden. Angeraten wird, einen Reservekanister, ausreichend Wasser und Ersatzreifen mitzunehmen. 

Wir kauften dann noch im recht gut sortierten, teuren Laden im Ort ein. U.a. gab es doch tatsächlich deutsches Vollkornbrot, zwar nicht frisch wie von der Bäckerei in Whitehorse, aber auch gut zu essen, noch ein paar Büchsen Nudeln mit Soße, Obst und das sollte dann wohl für die Überlandfahrt reichen. 

Abends haben wir noch wunderbar bei Klondike Kate´s Bison- und Hirschwurst gegessen, das war wirklich für hiesige Verhältnisse mal ein richtig gutes Essen. 

08.06. heute ist einmal frühes Aufstehen angesagt, nach einer Stärkung im Bus ging auf große Tour, zum Dempster Highway. Bei schönem Wetter fuhren wir los, die ersten 40 km aus Dawson heraus waren asphaltiert, die nächsten ca. 70 km Schotterpiste zum ersten Infocenter im Tombstone-Park waren auch gut befahrbar. Im Center trafen wir ein holländisches Paar, die uns ansprachen, da sie unseren Bus schon einmal gesehen haben. Sie selber waren schon einige Zeit unterwegs, u.a. 16 Monate in Mexiko, weil es ihnen dort so gut gefallen hat. Sie sind so um die 35 Jahre herum alt und werden jetzt noch bis September herumreisen, immer im eigenen Auto, das sie hier gekauft haben. Wir haben einige Infos über diverse Routen ausgetauscht, war interessant. Im Center haben wir uns ein wenig umgeschaut und sind dann weitergefahren. Heute wollten wir die insgesamt 409 km nach Eagle Plains fahren. Das heißt Schotterstaubpiste, die durch Tundra und Taiga führte, über Bergpässe und an Seen entlang. Es ist wirklich eine tolle Strecke, wo wir Elche, je einen Grizzly und einen Schwarzbären gesehen haben. Beide gingen auf der Piste spazieren, zeigten uns jedoch beide, als wir angefahren kamen, wie schnell sie doch trotz Leibesfülle die Tatzen schwingen können. Der Grizzly suchte das Weite in die Büsche, der Schwarzbär erklomm schnell den nächsten Hügel. Mit ihnen möchte keiner ein Wettrennen starten. Somit gibt es auch nur ein Foto mit einem davonrennenden Schwarzbären. Man wundert sich, daß selbst Fahrradfahrer und Motorradfahrer sich hier auf den Weg machen. 1500 km Staub schlucken auf dem Rad, das muß man mögen. Aber jedem sein Hobby. 

Eagle Plains ist wirklich sehr übersichtlich. Eine Tankstelle, ein Hotel mit Campingplatz und noch 3-4 andere Gebäude, man kann sich hier nicht verlaufen, also schlugen wir hier unser Lager auf dem Platz auf. Abendessen gab es hier sogar auch  noch.

09.06. Frühstück im Bus und los ging die 2.Etappe in Richtung Inuvik. Weitere 369 km Schotterpiste, das Wetter war recht gut und wir genossen die Landschaft. Nach 36,5 km überquerten wir den Polarkreis, ein besonderes Erlebnis. Weiter ging die buckelige Fahrt nach  Inuvik, dem nördlichsten Punkt auf unserer gesamten Reise. Wir steuerten den Campingplatz vor Downtown an, dort waren noch weitere 10 Leute, es war recht beschaulich. Danach wollten wir uns die "Stadt" anschauen. Wie überall tobte auch dort nicht unbedingt das Leben, doch wir konnten zumindest tanken (auch wenn es dort kein Super gibt) und die Heckscheibe sauber machen, durch die man nicht mehr durchschauen konnte. Sogar ein kleines Restaurant haben wir ausfindig machen können, wo wir dann Lachs probierten, sehr lecker.

10.06. bei -2 Grad und Schneeschauer schauten wir morgens verdutzt aus dem Bus... und der Schnee blieb auch noch liegen... und wir wollten heute noch die letzten 149 km nach Tuktoyaktuk fahren. Nach dem Frühstück fuhren wir erst einmal zur Touriinfo, um die Lage zu prüfen. Die nette Dame konnte uns leider auch nur die offizielle Wettervorhersage zeigen, Schnee und Regen möglich. Zu unserer großen Überraschung tauchten die Holländer auf, die wir bereits zu Anfang getroffen haben, sie wollten eigentlich nicht so weit in den Norden fahren, aber dann sind sie doch los. Ein Kanadier, den wir auf der Route jetzt auch schon ein paar Male getroffen haben, tauchte auch auf und wir verquatschten noch ca. 2 Stunden und jeder für sich kam doch zu keiner finalen Entscheidung, fahren oder in Inuvik bleiben. 

Also fuhrten wir nach langem Hin und Her die ersten 15 km gen Norden, jedoch nahm der Schneefall zu und die Sicht wurde immer schlechter, also brachen wir das Projekt ab und entschieden uns, nach die erste Etappe nach Süden/Eagle Plains in Angriff zu nehmen. 

Die Fahrt führte uns durch Schneelandschaft (sehr schön), teilweise vereisten und total durchgeweichten Schotterpisten (führte zu sehr schlitterigen Fahrweise), als wir einen Pass überquerten, fegte der Schnee bei dem Sturm waagerecht über die Fahrbahn. Tja, mit so einem Wettereinbruch haben wir nun nicht gerechnet. Ein einziger Lichtblick war der Grizzlybär, der ziemlich verschneit und von uns völlig unbeeindruckt durch die Landschaft tapste. Bei -3 Grad kamen wir dann ziemlich erledigt in Eagle Plains an, die Aussicht auf eine Nacht bei diesem Wetter im Bus führte dazu, daß wir nach langem Hin und Her doch noch das letzte verfügbare Hotelzimmer genommen haben ( zu einem überteuerten Preis, aber was soll es...). Vor der Tür standen auch noch einige Motorräder, die Fahrer habe ich nicht beneidet. 

Auch Susan und Michael aus Kansas City trafen wir hier wieder, wir hatten noch einen netten Abend. 

11.06. morgens hörten wir, daß die gefühlte Temperatur nachts bei -14 Grad lag, was ein Glück, daß wir uns für das Hotel entschieden haben. Morgens noch ein Geburtstagsfrühstück, dann konnte die letzte Etappe Richtung Ende Dempster Highway beginnen. Die Motorrad- und Radfahrer haben lieber noch eine Pause eingelegt....

Es schneite teilweise noch, wir fuhren durch die schneebedeckte Landschaft, alles sah ganz anders aus als auf dem Hinweg. Die Fahrt gestaltete sich noch stellenweise ein wenig schwierig, wir waren froh, als wir in Dawson City wieder ankamen. Der erste Weg führte zur Autowaschanlage, 4 Mal hat Jürgen den Bus abgestrahlt, bis die Konturen wieder zu erkennen waren. Der Bus war restlos verschlammt. 

Auf dem Campingplatz haben wir noch den letzten Platz ergattert, am anderen Ende des Duschhauses, egal, am nächsten Tag durften wir aufrücken. Abends noch einen Lachsburger gegessen und dann ab ins Bett.  

12.06. wir zogen also auf einen duschhausnahen Platz, neben uns stand ein Paar aus Ravensburg, 2 Camper weiter ein Paar aus Nümbrecht !!!, meiner alten Heimat, die Welt ist klein. Mit allen muß man natürlich ein Schwätzchen halten, so kommt man auch wieder an die ein oder andere interessante Info. Am Morgen wurde erst einmal der Bus innen entstaubt, hat sich wirklich gelohnt, jetzt können wir ihn wieder dreckig machen, aber zuhause muß es ja u.a. im Schlafzimmer und der Küche auch blitzen. Am Nachmittag gab es dann bei Franzosen, die in Dawson ein Café haben, nachträglich noch den Geburtstagskuchen. Als wir zum Campingplatz zurückkamen, sahen wir schon die Mindener, die unseren Bus ausfindig gemacht haben. Sie erzählten uns, daß sie auf dem Dempster Highway einen Reifen zerfetzt haben und jetzt ein paar  Tage auf einen neuen Reifen warten müssen. Mit ihnen waren wir dann noch essen und in einer Kneipe, der Abend verging wie im Flug. Wir vereinbarten dann, daß wir uns dann nach Beendigung der Panamericana unbedingt noch einmal in Deutschland treffen müssen, die Entfernung ist ja nicht sehr weit von uns aus nach Minden. Jürgen und ich gingen dann noch zu "Gerties", das Casino, in dem man bei Black Jack oder am einarmigen Banditen sein Geld los werden kann. Der Spielbetrieb wir 3 Mal am Abend durch eine Can-Can-Show unterbrochen, wir sahen sie uns um 22 Uhr an, war recht amüsant. Als wir aus der dunklen Spielhölle herauskamen, schien noch die Sonne. Man muß wissen, daß es hier so gut wie nie dunkel wird. Ein komisches Gefühl, denn man verliert jegliches Zeitgefühl. 

13.06. wir sind wieder einmal spät dran, so lange wie im Bus können wir zuhause nicht schlafen. Wir fahren meistens, wenn alle Anderen schon den Platz verlassen haben. Heute Morgen sprachen uns zwei Deutsche auf den Bus an, so wurde es auch wieder später und später.

Wir schlugen die Richtung Whitehorse ein, es ging dieses Mal über eine asphaltierte Straße durch Waldgebiet, am Straßenrand blühen mittlerweile auch hier endlos viele Lupinen und der Löwenzahn. Die Fahrt wurde als langweilig beschrieben, doch wir fanden es ganz nett, da wir auf dem Parkplatz noch einige Schmetterlinge antrafen, die gerade ein "Meeting" hatten und einen Schwarzbären, der Blümchen pflücken wollte und sich extra für posierte. 

In Whitehorse bekamen wir noch den letzten Platz in Flughafennähe und direkt am Highway, recht laut, aber im Endeffekt haben wir wieder wie ein Stein geschlafen. 

 

 

 

14.06. Heute waren wir wieder spät dran, ab jetzt müssen wir uns wohl mal den Wecker stellen. Wir verlagerten unser Frühstück in die deutsche Bäckerei, wo wir uns sowieso wieder mit Vollkornbroten eindecken wollten. Gesagt, getan, leckeres warmes deutsches Brot zum Frühstück, dann kann der Tag ja nur noch gut werden. Bei Dauerregen ging es dann Richtung Haines Junction, wo wir dann bei der Info anhielten. Da der Wagen ein wenig unruhig lief, haben wir  dort auf dem Parkplatz erst einmal die Felgen von innen einigermaßen von den zentimeterdicken Lehmschichten als Überbleibsel vom Dempster Highway befreit. Jetzt fuhr er sich wieder einigermaßen. Die Strecke war trotz Regens sehr schön und nachher riss es auch auf und wir konnten die Bergkette wieder sehen. Wir schauten uns nach einem kurzen Fußweg noch den One Million Dollar-Wasserfall an, ganz nett anzusehen. Als wir dann wieder losfuhren, sahen wir unseren 18. Schwarzbären, der, was auch sonst, fraß. Es interessierte ihn überhaupt nicht, daß er von einigen Autofahrern dabei fotografiert wurde. 

Auf einem Airstrip (= Landebahn mitten im Nirgendwo) sichtete Jürgen einen Luchs, den man sonst so gut wie nie sieht. Das war wieder ein sehr erfolgreicher Tag !! Der Grenzübertritt in die USA war wieder einmal völlig entspannt, der Zollbeamte wollte nur Smalltalk mit uns halten. Noch haben wir wirklich keine negativen Erfahrungen machen  müssen, wie es des öfteren beschrieben wird. Hauptsache, es bleibt so. In Haines soll man eigentlich am Chilkat-River Adler sehen können, waren heute aber anscheinend in einer anderen Gegend unterwegs. 

Haines selber ist ein ganz nettes Örtchen, mit kleinem Hafen, ein paar Geschäften, die um 17 Uhr jedoch alle schon geschlossen waren. 

Auch die Touristeninfo hatte schon Feierabend, so daß wir dort morgen zuerst hingehen werden. 

15.06. Extra früh aufgestanden und um 8.30 Uhr standen wir in der Touriinfo, dort bekamen wir die Info, daß wir die Fähre nach Skagway von dem Fährenterminal direkt buchen müssen. Also fuhren wir direkt dorthin, dort empfang uns eine Warteschlange, wir waren ein wenig unter Zeitdruck, da wir noch 45 km zu einem Termin fahren wollten. Als wir dann endlich an der Reihe waren, nach ca. 20 Minuten, sagte man uns, der Computer würde nicht funktionieren und wir müßten es später noch einmal versuchen. Jetzt hatten wir noch genau 45 Minuten Zeit, um die Strecke zum Mosquito Lake zu fahren, um dort einem bekannten Tierfilmer (Kroschel) bei der Arbeit mit u.a. Bären, Vielfraß, Adlern und einigen anderen wilden Tieren zuzuschauen. Ich hatte wegen des Termines extra am Vortag dort angerufen und er wurde mir für 9.45 Uhr bestätigt. Als wir dort ankamen wurden wir von dem Opi erwartet, der schon am Telefon war. Er teilte uns mit, daß die Show leider auf 14.30 Uhr verschoben wurde. Das amüsierte uns nicht besonders, da wir für eine Tour 1 Stunde brauchten (inklusive einer großen Baustelle) und wir nicht noch einmal hin und her fahren wollten. So begann der Tag nicht gerade erfolgreich. Also fuhren wir wieder zurück, um uns Haines näher anzuschauen. Wir fuhren die landschaftlich tolle Mud Bay Road bis zu einem Gletscher, tranken Kaffee im "Zentrum", dort haben wir uns noch mit einem jungen Ami unterhalten, der sehr gute (Anti-Trump) Ansichten hatte. Wir schlenderten noch zum Hafen und gingen in das örtliche Museum, wo man wieder ausgestopfte Tiere und ein paar gerettete Adler und Eulen sehen konnte. Übernachtet haben wir auf dem staatlichen Campingplatz am Chilkoot River, wo man, vorzugsweise in den Monaten Juli und August, wenn dort die Lachswanderungen stattfinden, die Grizzlies beim Fischefangen beobachten kann. Jetzt war es leider noch zu früh. Aber der Campingplatz war wirklich super, im Wald gelegen, direkt am See. 

16.06. morgens herumgetrödelt, da die Fähre nach Skagway erst mittags gehen sollte. Auf dem Weg zur Fähre hielten wir ein letztes Mal Ausschau nach unseren Bären, ob sie nicht doch im Fluß zu sehen sind. Im Fluß waren sie nicht, jedoch frühstückte gerade ein Grizzly am Wegesrand, es gab lecker Gras und Blumen. Wir konnten ihn wirklich super beobachten. Fotos siehe unten zum Beweis. Nachdem wir ihn nicht weiter bei seinem Mahl stören wollten, fuhren wir zur Anlegestelle. Mit einer Stunde Verspätung ging die 45minütige Fahrt bei leider nicht besonders schönem Wetter los. In Skagway lagen dann schon 2 Kreuzfahrtschiffe, dies ist wohl normal.  Die Touris werden dort zum Shoppen und Schlendern abgeladen. Zu der Zeit ist das Örtchen ordentlich voll, ab 17 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt. Skagway erinnerte uns ein wenig an Dawson City, auch ein Goldschürferstädtchen. Der Campingplatz in Fährnähe war nicht besonders toll, dafür aber teuer. Mit Haines und Skwagway haben wir noch einmal einen kleinen, sehr lohnenswerten Ausflug nach Alaska gemacht, diesen Umweg würden wir immer wieder fahren.....

17.06. bei Regenwetter fahren wir über einen Pass über den Klondike Highway in Richtung Carcross. Die Landschaft dort oben war sehr mystisch, kleine Seen, Berge, alles nebelverhangen, aber toll. Wir überquerten wieder einmal die Grenze nach Kanada ohne Probleme. In Carcross hielten wir noch einmal an der Touriinfo an, wo Dagmar, die deutsche Superberaterin wieder am Start war. Wir erzählten ihr, was wir bereits alles erlebt hatten und wie es weitergehen soll. Nach einem etwas längeren Gespräch kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten im  ortansässigen Tante-Emma-Laden ein, um dann die Fahrt fortzusetzen. In Teslin suchten wir uns an der Straße einen Campingplatz, da wir für heute genug gefahren sind. Wäsche waschen, Abend essen und ins Bett. 

18.06. Weiter ging die Fahrt, kurz vor Watson Lake bogen wir auf den Cassiar Highway ab. Eine Straße, die wirklich länger in Erinnerung bleibt, landschaftlich wunderschön !! In Bezug auf Bärenbeobachtung kamen wir heute zu einer neuen Höchstleistung - 9 Schwarzbären, u.a eine Bärenmama mit 3 Kleinen !! Am Boya Lake machten wir Mittagspause. Ein Wasser wie an der Costa Smeralda, nur der weiße Sandstrand fehlte und die Wassertemperatur war etwas kühler. Wir mußten jedoch weiter und hielten dann in Dease Lake an, wo wir auf einem Campground für 10 Dollar übernachteten, mit noch 2 anderen Autos. Die Mückenplage nimmt von Tag zu Tag zu  und wir verschwanden recht früh in den Bus, nachdem wir unsere selbstgekochten Spaghetti Bolognese gegessen hatten. 

19.06. weiter ging es über den Cassiar Highway entlang nach Stewart, wieder einmal ein landschaftlich sehr schöner Highway, auf dem es viel zu sehen gab. Erst einmal bogen wir im Örtchen Gitanyow ab, das Dörfchen ist für die Vielzahl seiner vielen Totempfähle bekannt. Bei der Mediazin Junction bogen wir auf den Highway 37  nach Stewart ab. Weiter ging es an hängenden Gletschern vorbei, durch ein Schlucht hindurch. Zwischendurch mußten wir kurz halten, da ein Bär mitten auf dem Mittelstreifen stand und keine Anstalten machte, auf die Seite zu gehen. Irgendwann war es dann doch so weit, er trottete vondannen. Und was war passiert, er hatte einen dicken Haufen auf dem frisch aufgetragenen gelben Streifen hinterlassen. Dabei kann Bär sich nun wirklich nicht stören lassen.

Wir suchten uns einen Campingplatz vor Ort und fuhren weiter nach Hyder, ein Geisterkaff  in Alaska, mit dem Unterschied, daß an der Grenze nur ein kanadisches Zollhäuschen steht und die USA darauf verzichtet, zu kontrollieren. Somit fuhren wir ohne Probleme ein letztes Mal nach Alaska. In Hyder gibt es einen Campingplatz und einige Häuser, die zum Verkauf angeboten werden. Anscheinend möchte hier niemand wohnen. In Hyder selber kann man zu Zeiten der Lachswanderung wieder gut die Grizzlies beobachten, die wir allerdings jetzt nicht zu Gesicht bekommen haben. Weiter ging es zum Salmon Glacier, ein gigantischer Gletscher, den man nur über eine 37 Kilometer lange absolute Schlaglochpiste erreicht. So holpterten wir von einem Loch zum nächsten, in der Hoffnung, daß der Bus durchhält. Oben auf dem Berg trafen wir dann noch einen alten VW-Bus. Vor uns der fünftgrößte Gletscher Kanadas, die Fahrt hier hoch hat sich gelohnt. Auf der Fahrt berghoch fragte wir eine Frau im entgegenkommenden Auto, ob es sich lohnt, noch weiterzufahren. Sie meinte, wir würden jedes Schlagloch lieben, so war es dann auch - fast..... 

20.-22.06. Morgens mußten wir erfahren, nachdem wir ewig am Telefon in der Warteschleife hingen, daß die erste freie Fähre erst in 3 Tagen fahren würde. Dies war uns jedoch zu spät, wir wußten nun wirklich nicht, was wir in Stewart noch 3 Tage lang machen sollten. So beschlossen wir kurzerhand, mal wieder Bus zu fahren. Es ging in 3 Etappen über Vanderhoof und Clinton nach Vancouver. Das Highlight war das Wiener Schnitzel, das wir in einem deutsch-kanadischen Restaurant in Vanderhoof aßen, sehr lecker, dazu gab es ein Warsteiner vom Faß, was will man mehr, es gibt doch immer noch einmal Überraschungen im Leben. Der letzte Fahrtag war der schönste, es ging über den wirklich tollen Highway 99, der die absolut geniale Motorradstrecke ist. Eine Straße, die sich in endlosen Kurven durch das Gebirge windet, führt u.a. durch das bekannte Skigebiet Whistler. Das letzte Stück, der Sea-to-Sky-Highway führte ebenfalls in Serpentinen hinunter nach Vancouver. 

23.06. Hurra, wir sind in Vancouver, zuerst einmal haben wir uns einen Platz auf dem stadtnahen Campingplatz gesichert. Viel war nicht mehr frei, da das Wochenende bevorstand. Dort steht man wirklich dicht an dicht, wie auf einem normalen Parkplatz, nur daß man dafür bezahlen muß, gut man konnte natürlich auch die sanitären Anlagen nutzen... der Platz lag unterhalb einer vielbefahrenen Brücke, jedoch hielt sich der Lärm in Grenzen. So gingen wir also auf Erkundungstour in Vancouver. Erst einmal überquerten wir die 1,8 km lange Lions Gate Bridge, um dann irgendwann nach links in den Stanley Park abzubiegen. Nach absolut ruhigen Wochen in der Natur ging uns der Stadtverkehr mächtig auf die Nerven... der Park ist wirklich toll angelegt. Wir kamen am Beaver Lake mit tausenden Seerosen vorbei, riesig hohe Douglasien, Riesenlebensbäume und andere Bäume säumten die Wege. Entlang der Seepromenade gingen wir zu einer Ansammlung von Totempfählen. Der sogenannte Seawall windet sich um viele Ausbuchtungen um die Bucht herum. Irgendwann übermannte uns der Hunger und wir brachen den Spaziergang ab, um bei einem Italiener einzukehren. War sehr lecker, der Rückweg war etwas kürzer, jedoch wind wir an dem Tag genug herumgerannt. 

24.06. im Drogeriemarkt besorgten wir uns erst einmal ein Tagesticket für 10 $ pro Person, mit dem wir den ganzen Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnten. So konnten wir dieses Mal die Brücke mit dem Bus überqueren, ein paar Kilometer Lauferei gespart. Wir fuhren zuerst einmal in Richtung Queen Elizabeth Park, ein sehr schön angelegter Park ein wenig außerhalb auf einem Hügel gelegen, von dem man eine gute Aussicht auf  Vancouver hat. Wir fuhren kreuz und quer durch Vancouver, um die Stadt zu besichtigen. Die Lage ist ein Traum, die Innenstadt an sich hat nicht ganz so viel zu bieten. Um uns einen weiteren Überblick zu verschaffen, fuhren wir auf die Aussichtsplatform des Towers hoch. Nett ist es auch im historischen Viertel Gastown, das fast hauptsächlich aus Kneipen und Souvenirläden besteht. Im Vorbeigehen sahen wir, daß das Spiel Schweden gegen Deutschland  in einem Pub übertragen wurde. Die letzten dramatischen 10 Minuten haben wir uns dann dort noch angeschaut. Nachdem der Krimi vorbei war, genehmigten wir uns zu Ortszeit 13 Uhr erst einmal ein Bier, um den Sieg zu feiern. 

25.06. um 12.45 Uhr sollte unsere Fähre von Tsawassen bei Vancouver nach Vancouver Island gehen. Da wir nichts mehr großartig in Vancouver anstellen wollten, machten wir uns um 10 Uhr auf den Weg. Es ging quer durch Vancouver bei zähfließendem Verkehr, der Stau kam erst hinter Vancouver, aber wir hatten ja genug Zeit eingeplant. Kurz bevor wir das Fährterminal erreichten, sah Jürgen Blaulicht im Rückspiegel, na das  hat uns gerade noch gefehlt. Es hieß anhalten und warten, was der freundliche Polizist vorzutragen hatte. Es dauerte eine Weile, bis er kam, bestätigte Jürgen, daß er alles richtig gemacht hätte (gut, daß wir uns immer einigermaßen an die  Geschwindigkeit halten), aber er solch ein Nummernschild noch nie gesehen hätte. Also gab ihm Jürgen seinen Paß und die Unterlagen zur Kfz-Versicherung für die USA. Es dauerte dann geschlagene 20 Minuten, bis alles überprüft war, mit dem Ergebnis, alles rechtens. Somit konnten wir, nachdem ich noch ein Foto von dem netten Herrn mit Jürgen gemacht habe, weiterfahren. Uns blieb noch eine Stunde bis zur Abfahrt. 

Die Fahrt mit der Fähre verlief reibungslos und nach 2 Stunden kamen wir auf  Vancouver Island an, wo wir mit Regen begrüßt wurden. Wir fuhren dann gleich zu Hermann, ein alter Bekannter von Jürgen, den er 30 Jahre nicht mehr gesehen hat und der jetzt idyllisch gelegen in Duncan mit Frau Sandra, 2 Hunden und Katzen lebt. Es gab viel zu erzählen und der Abend endete vor einem Lagerfeuer. 

26.06. haben den Tag mit einem Frühstück mit deutschen Brötchen und Enteneiern begonnen. Dann hieß es Wäsche waschen, um 12 Uhr hatten wir einen Termin beim Friseur, Hermann, Jürgen und ich. Die Dame wohnte in der Nachbarschaft in einem kleinen Häuschen, das Frisierstübchen war nebenan, uns empfing die "Hairstylistin" in Kittelschürze und Pudel, na, das konnte mir ja was geben. Erst waren die Herren an der Reihe, das Resultat war recht vernünftig, dann ließen sich mich dort alleine. Nun gut, was soll ich sagen, das Ergebnis war recht zufriedenstellend... und das für uns Beide für ganze € 30,00, nicht schlecht. Den Rest des Tages vertrödelten wir ein wenig, u.a. gingen wir mit Hermann, Sandra und den Hunden Gassi. Eine sehr nette Gegend dort, wir bewunderten wieder einmal die riesigen Bäume im Wald. Abends gingen wir noch beim Schotten einen Happen essen. 

27.06. Um 7 Uhr klingelte der Wecker, schnell unter die Dusche und Fußball gucken. Südkorea gegen Deutschland, zum Ergebnis muß ich ja jetzt nichts sagen, oder? Gut für uns, da wir vom Fußball hier sowieso kaum etwas mitbekommen. Nach einem guten Frühstück hieß es verabschieden und weiter ging die Fahrt, zuerst zum Raptors Centre, wo wir uns die Greifvögel anschauten, inklusive der Flugshow, die besser nicht sein konnte. Nach einem Mittagessen im Bus ging die Fahrt zur Avatar Grove. Kilometerlang fuhren wir über übelste Schotterpisten, Jürgen war schon kurz davor, aufzugeben, aber drehen und zurückfahren hätte auch nichts gebracht. Also Augen zu und hoffen, daß die Reifen halten. Das haben sie zum Glück, als wir dort nach einer gefühlten Ewigkeit ankamen, hatten wir noch einen kurzen Aufstieg zu bewältigen, bevor wir in einem Wald mit gigantischen roten Zedern und Douglasien standen. Es war wirklich ein toller Spaziergang, der die Anfahrt vergessen ließ. Wir fragten weitere Leute nach dem Zustand der folgenden Straße, sie versicherten uns, daß es nicht so schlimm ist, so war es dann auch, wir kamen dann am späten Nachmittag in Port Renfrew an, wo wir uns auf dem dortigen Campingplatz am Strand einmieteten. Nach einem Abendessen im Ort machten wir noch einen Strandspaziergang. Am Strand lag sehr viel Treibholz herum, mit dem man so einiges anfangen könnte. Nun ja, wir hätten dann nur ein kleines Transportproblem....

28.06. nach einem kleinen Schwätzchen mit unseren thüringischen Campnachbarn machten wir uns auf den Weg in Richtung Victoria. Wir fuhren durch den Juan de Fuca Nationalpark, eine sehr schöne kurvige Straße an der Küste entlang. Wir machten jeweils Halt, um durch einen verwunschenen Wald hinunter zum China Beach und dann noch zum Mystic Beach zu gehen. Eine schöne Wanderung zu tollen Stränden, leider war der Himmel grau, trotzdem war es dort toll. Eine weitere Station war der Ort Sooke, durch den wir noch ein wenig schlenderten bevor wir dann zum Goldstream-Campingplatz in Langford, bei Victoria fuhren. Der Platz war sehr großzügig angelegt, man hatte sehr viel Platz unter riesigen Bäumen. Ein toller Ort zum Übernachten.

29.06. morgens fuhren wir nach Victoria hinein, parkten in der Nähe von der Mile 0-Marke, die den Start des Trans-Canada-Highways anzeigt. Auch für uns ein Zeichen, daß dies das Ende unseres Kanada/Alaska-Aufenthaltes ist. Eine wirklich tolle Zeit haben wir hier verbracht, viele tolle Eindrücke gewonnen, eine grandiose Landschaft genossen, netten Leuten begegnet. 

Victoria ist zum Schluß der Kanadareise noch ein nettes Städtchen, daß "very british" herüberkommt. Wir haben uns ein wenig treiben lassen, u.a. haben wir auch noch das recht interessante Royal BC Museum besucht. Wir gönnten uns noch eine Kaffee, dann wurde es Zeit, zur Fähre zu fahren. Wir waren 2 Stunden vor Abfahrt um 19.30 Uhr vor Ort, da wir dort auch noch vom USA-Zoll abgefertigt werden sollten. Dies ging wieder ohne irgendwelche Probleme vonstatten, weiß garnicht, wieso so viele Leute im Internet über negative Erlebnisse bzgl. der Einreise in die USA berichten. Wahrscheinlich sehen wir schon so harmlos aus und unser Bus hinterläßt einen bleibenden Eindruck. Die Fähre legte pünktlich ab und wir landeten um 21 Uhr in Port Angeles, von dort wollen wir uns den Olympic Nationalpark anschauen. Wir fuhren also in Richtung Elwha Campingplatz etwas außerhalb von Port Angeles gelegen. Ich hatte den Namen in unser Navigationsprogramm maps me eingegeben, mit dem Ergebnis, daß wir nach zig Kilometern Serpentinen vor einer verschlossenen Schranke standen. Was nun? Es stand dort ein weiteres paar mit ihrem Camper, die wir dann gleich fragten, was nun Sache ist. Sie meinten, sie hätten gehört, daß die Straße unterspült ist und dort alles gesperrt wäre. Wir haben jedoch am selben Morgen noch eine Bestätigung unserer Reservierung bekommen... also irgendetwas stimmt nicht. Bis wir darauf kamen, die ganze Adresse einzugeben und .... wir durften wieder 10 km zurückfahren und haben es letzendlich gefunden. Mit Hilfe von Taschenlampe und Plan haben wir dann unseren Platz gefunden, ein Glück. Weitere Reiseberichte siehe USA...