10.05. in der Nacht hat es noch ordentlich geschüttet und der Platz stand ziemlich unter Wasser. Um 10.30 Uhr fuhren wir dann die 850 Meter zum gebuchten Hotel, wo wir dann auch schon unser Zimmer beziehen konnten. Ein Glück. Wir bekamen Armbändchen, mit denen wir freien Eintritt zur Therme Agua Clara bekamen. Nachdem wir uns im Zimmer eingerichtet hatten, gingen wir zur benachbarten Therme, wo es 4 Becken mit unterschiedlich warmen Wasser gab, wir wählten das 38 Grad badewannenwarme Wasser aus. Hier hielten wir es einige Zeit mit Unterbrechungen aus. Leider war es draußen nicht gerade so warm, daß wir uns lange Zeit auf die Liegen legen wollten. So gingen wir nach einigen "Anwendungen" zum Duschen wieder zum Hotel. Wir vertrödelten den Tag und suchten uns abends etwas zu essen. Leider ist auch hier in Uruguay das Angebot nicht das beste und gesündeste. Viel Fast Food wie z.B. Chivito, ein Lappen Fleisch in Brot mit einigen weiteren Zutaten. Das Frühstück ist auch nicht besser. 

 

11.05. heute fuhren wir nach Las Canas, ein ruhiger Ferienort, die meisten der netten Ferienhäuser standen wegen der Nachsaison leer. Wir fanden einen schönen Platz auf einem Camping, der wegen der Nachsaison kostenfrei ist. Heißt, es gab Toiletten (zwar ohne Klobrille, aber gut, das kennt man ja schon), Duschen (etwas abenteurlich!), Außenwasser und Strom, was will man mehr. Die Dorfpolizei fuhr auch öfters auf ihrer Streife bei uns vorbei und hatte dann doch tatsächlich nachmittags ihren Einsatz... 6 Pferde weideten nebenan auf der Wiese des Parkes und streunten herum, sie waren entweder wild oder sind irgendwo ausgebüxt. Jetzt hieß es, sie mit Sirene zu verscheuchen, die Pferde liefen ganz gemächlich vondannen, keine Ahnung, wie der Film ausgegangen ist. Unser Bus stand oberhalb des Flußufers des imposanten Rios Uruguay. Vom Sandstrand aus konnten wir schön den Sonnenuntergang beobachten. Ein schönes Fleckchen und wir waren fast ganz alleine hier. Abends kochten wir unsere obligatorischen Nudeln, die uns wieder sehr gut schmeckten, dazu ein gutes Fläschchen Wein...

12.05. an unserem Hochzeitstag schien wie bestellt wieder die Sonne und wir frühstückten erst einmal im Bus. Danach fuhren wir zum benachbarten Ort Fray Bentos, wo wir auf einer Wiese ein paar Engländer mit ihrem Bus haben stehen sehen. So schwatzten wir fast 1 Stunde mit ihnen, sie waren hier in Südamerika unterwegs, wollten irgendwann auch noch in Richtung Norden weiterfahren, ohne festes Ziel und Zeitrahmen, 2,3 oder mehr Jahre....

Nach unserem Erfahrungsaustausch fuhren wir zum Museum der industriellen Revolution - das ehemalige Schlachthaus und die Verpackungsanlage, die 2015 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier wurde ab 1861 nach dem Verfahren des deutschen Chemikers von Liebig in großen Mengen Fleischextrakt (Oxo-Brühwürfel) hergestellt. Weiterhin stellte man Corned Beef in Dosen her, mit denen u.a. die Soldaten versorgt wurden. In den Jahren 1861 bis 1976 arbeiteten hier in der ganzen Zeit ca. 25.000 Menschen aus 60 verschiedenen Ländern . So gibt es auch jetzt noch viel Orte hier, die nach den Immigranten, die sich dort ansiedelten,  z.B. Nuevo Berlin oder San Javier oder Nueva Helvecia benannt wurden. 

Danach ging es zum Weingut Almacen de Capilla in Carmelo, wo uns die freundlichen Besitzer kostenfrei stehen ließen, sie boten uns sogar Strom an und hatten Toilette und Waschbecken, die wir nutzen konnten. Da sie nur Kleinigkeiten zu essen hatten, spazierten wir zum nächsten Restaurant, daß wegen Muttertag rappelvoll war und wir hier keinen Platz bekamen, also weiter zum nächsten. Dort hatten wir mehr Glück und überdies gab es für die "Mütter" ein kostenfreies Menü. So kam ich in den Genuss eines Freigetränkes und einem großen guten Salat und einer Vorspeise. Jürgen mußte sein Essen natürlich bezahlen. Um 17 Uhr gingen wir dann noch zur Weinverkostung mit 5 verschiedenen Weinen und 2 Sorten Grappa, einmal mit Honiggeschmack. Dazu gab es noch eine große Platte mit Brot, Wurst, Käse, Oliven und eingelegten Auberginen. Obwohl sie um 18 Uhr schließen, saßen wir noch dort bis um 20 Uhr mit den netten Gastgebern, die uns erzählten, daß sie das Campergeschäft evtl. ausbauen wollen. Da konnten wir ihnen natürlich gute Tips geben, worauf sie achten müssen. Ein schöner weinseliger Abend ging zu Ende... 

13.05. gut geschlafen, denn hier waren wir wirklich in der Einöde. Wir wollten gerade anfangen, das Frühstück zuzubereiten, da kam der Besitzer Diego zum Bus und sagte uns, wir könnten uns doch auch in den Verkostungsraum setzen (natürlich nicht zur Weinprobe- ist doch noch etwas zu früh!!). Als wir dort mit unserer Kaffeekanne ankamen, hatte er uns bereits Brot, O-Saft, Obst und einen Toaster hingestellt - und dann bekamen wir sogar noch Honig. Das nennt man Gastfreundschaft. Wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten und eine Flasche Tannat-Wein (beliebteste Traube hier in Uruguay) und machten uns auf den Weg zur ältesten Stadt Uruguays, nach Colonia del Sacramento, wo wir für 2 Nächte ein Zimmer in einem Hostal gebucht haben, typisch für Colonia in einem alten Haus, die Zimmer um einen Innenhof mit Springbrunnen herum angeordnet, von der Aussichtsterrasse hat man einen schönen Blick auf den eindrucksvoll breiten Rio de la Plata.  Colonia hat eine kleine, sehr sehenswerte Altstadt, in der man sich gut einige Zeit herumtreiben kann. Die alten Gebäude mit ihren teilweise sehr ausladenden  Bougainvillea-Sträuchern, das teilweise halsbrecherisch krumm und schiefe Pflaster, die vielen schön angelegten Plätze machen das bestimmte Flair dieses Städtchen aus. An vielen Ecken gibt es Cafés und Restaurants, die allerdings meistens jetzt im Herbst nur noch mittags öffnen. Das Wetter ist sonnig, bei herbstlichen Temperaturen von ca. 18 Grad tagsüber. In etwas über einer Stunde kann man mit der Schnellfähre nach Buenos Aires von hier fahren. Um 17 Uhr gibt es im Hotel Kaffee und Kuchen. Den Sonnenuntergang sahen wir von einem Anlegesteg aus. Anschließend Abendessen.

 

14.05. nach dem Frühstück mit vorwiegend für Uruguay süßen Teilchen und Kuchen gingen wir noch einmal mit dem Fotoapparat bewaffnet durch die Gassen. Am Hafen setzten wir uns in ein Café und genossen die herbstlichen Sonnenstrahlen. Mittags aßen wir die Reste aus unserem Kühlschrank, wir setzten uns auf unsere Terrasse und sahen ein paar Männern bei der Arbeit zu. Ja, so geht es auch !!  

15.05. heute sollte unsere Fahrt nach Jaureguiberry, zum Overlander-Campingplatz Paraiso Suizo gehen. Alles stand heute im Zeichen der Schweiz. Erst einmal machten wir halt in der "Schweizer Kolonie", Nueva Helvecia, um dort Käse, Salami und Schokolade zu kaufen. Endlich einmal ein gut schmeckender Käse, und das aus meinem Munde. Die letzte Etappe hielt leider wieder eine nicht ganz so schöne Überraschung für uns bereit, wir sahen 50 Kilometer vor dem Ziel die von uns so ungeliebte Meldung "Druckverlust der Reifen", also angehalten und schon hörten wir die Bescherung. Hinten rechts zischte die entweichende Luft und bei genauerem Hinsehen sah man auch gleich schon wieder das Drahtgeflecht. Hieß, den Reifen, der nun wirklich Schrott war, zu wechseln. Die Halterung unter dem Bus, wo der Ersatzreifen lagert, ist mit der Zeit schon verbogen (wahrscheinlich Billigmaterial) und so ist es jedes Mal eine Aktion, den Ersatzreifen hinauszubekommen. Fluchenderweise wurde der Reifen dann von Jürgen gewechselt. So ging es dann mit Verzögerung weiter zum Camping, der von Schweizern betrieben wird. Dort standen schon einige Overlander, die ihr Fahrzeug entweder gerade im ca. 100 km entfernten Montevideo abgeholt hatten, die meisten wollen ihre Fahrzeuge jedoch hier stehen lassen (dies ist bis zu 1 Jahr maximal möglich) und nach Hause fliegen, um dann nach diversen Monaten von hier wieder weiterzureisen. Nun ja, wir haben mittlerweile auch mitgeteilt bekommen, daß sich die Abfahrt des Schiffes vom 22. auf den 30.5. verschiebt, d.h. wir müssen wahrscheinlich für 2 Tage weitere Wartezeit zusätzliche Lagerkosten zahlen, da unser Flieger ja am 26.5. von Buenos Aires abhebt. 

Abends haben wir noch mit Schweizern, Holländern und Australiern auf einen Wein zusammengesessen. Eine nette Gruppe.

16.05. heute morgen konnten wir uns frisch gebackene Brötchen bei Heinz, dem Schweizer vom Camping abholen. Sehr lecker und wenigstens einmal knusprig. Am Vormittag fuhren wir zum benachbarten Badeort Piriápolis, wo wir erst einmal die Reifen hoffentlich zum letzten Mal wechseln ließen. Dies sollte jetzt bis zu Hause halten. Wir schlenderten noch ein wenig an der Uferpromenade entlang, aßen ein Eis und fuhren zurück zum Campingplatz. Um 17 Uhr gab es Happy Hour mit einem Getränk vom Haus. Wieder saßen wir in fröhlicher Runde. 

 

17.05. heute haben wir spontan beschlossen, schon einmal den rückwärtigen Teil des Busses sauber zu machen, heißt alles aus dem Kofferraum ausräumen, Schubläden unter den Sitzen ausräumen und alles putzen. Wir kommen zwar noch einmal vor Abgabe des Busses hier zum Campingplatz, jedoch melden sie Regen für die kommenden Tage, so daß es mit dem Ausräumen eher schwierig würde. Nach der Putzaktion machten wir einen Spaziergang an dem kilometerlangen weißen Strand. Ein Traumstrand und nichts los. Die Wassertemperatur haben wir jedoch nicht getestet. Abends hatten wir uns dann für das Abendessen angemeldet. In einer größeren Gruppe  haben wir dann gut gegessen, mit reichlich Rotwein...

18.05. das heutige Ziel war die Halbinsel Cabo Polonio, die weder an das Straßennetz, noch an Elektrizität und Wasser angeschlossen ist.  

So stellten wir unseren Bus auf einen Parkplatz ab, wo wir auch die Nacht verbringen wollten. Mit einem Allrad-LKW wird man über die Sandpiste, durch die Dünen zum Cabo gefahren, wo wir uns die kleinen Häuschen der ca. 100 Einwohner anschauten. Teilweise waren es aus Holz zusammengezimmerte Bruchbuden, andere wiederum waren ganz nett anzuschauen. Hier leben wohl die Fischer, Handwerker und die übriggebliebenen Hippies. Auf den vorgelagerten Felsen tummelten sich die Seelöwen, die ja immer wieder für Unterhaltung sorgen. Zurück ging es dann auch wieder mit dem LKW. Abends gingen wir recht früh ins Bett. 

19.05. gegen frühen Morgen fing es ordentlich an zu regnen, es blieb den ganzen Tag trübe bei 18 Grad, am Nachmittag war es trocken. Zurück fuhren wir über den Nobelbadeort José Ignacio, wo recht ansehnliche Ferienhäuser stehen, nach Punta del Este, das eher von vielen Hochhäusern dominiert wird. Dort aßen wir zu Mittag noch leckeren Fisch. Weiter ging es zum altbekannten Campingplatz Paraiso Suizo, der doch ziemlich leer aussah, gut einige Gesichter kannten wir noch von vor 2 Tagen. Zum Abendessen bekamen wir noch leckeres selbstgebackenes Brot, das eine nette Schweizer Familie selber gebacken hat. Sie waren mit 2 kleinen Kindern unterwegs. 

 

20.05. morgens nach dem Frühstück fuhren wir noch einmal nach Piriapolis, wo der Bus eine Handwäsche von außen bekam. Mittags haben wir dann noch alles ausgeräumt und den Bus von innen sauber gemacht. So kann er dann nach Hamburg schippern. Tja, der Abfahrtstermin des Schiffes Grande Africa wird sich wohl noch einmal um 1 oder 2 Tage verzögern. Um 16 Uhr wurde das Wetter recht ungemütlich, es fing an zu regnen, um 17 Uhr trafen wir uns dann noch zur Happy Hour bei Sylvia und Heinz.

21.05. den ganzen Tag Regen, wir verbrachten die Zeit mehr oder weniger im Bus, um 16 Uhr trafen wir uns noch einmal mit Jan und Carla aus NL, die uns noch einiges über Brasilien und ihrer  geführten Tour mit Seabridge zur Seidenstraße erzählten. Sehr interessant. 

 

22.05. die letzte Etappe mit dem Bus nach Montevideo wurde in Angriff genommen. Kurz nachdem wir gefahren sind, bekamen wir eine Minidusche von oben, irgendwo vorne dringt (jetzt zum 2.Mal) Wasser in das Auto, keine Ahnung, wo genau es herkommt. Dies wird dann demnächst in Langenhagen, wo wir unseren Bus abgeben, geprüft und noch einige Kleinigkeiten repariert. Tja, das war schon ein kleiner Härtetest für den T6. In Montevideo konnten wir vor dem Hotel parken, nachdem wir feststellten, daß die Zufahrt in dem Parkhaus für den Bus zu niedrig war. Also hieß es, ein letztes Mal alles herausräumen, was wir im Flieger mitnehmen, heißt 2 Reisetaschen und 2 Rucksäcke, der Rest wird mit dem Bus verschifft. Wir gingen dann erst einmal los, um Tickets für die Fähre von Montevideo nach Buenos Aires zu kaufen, das Büro war genau dort, wo wir den Bus morgen abgeben sollen. Auf dem Rückweg kehrten wir noch in den Mercado del Puerto ein, eine Markthalle, wo auf großen Grills Unmengen von Fleisch zubereitet werden. Hier aßen wir auch bereits vor 8 Jahren ein Steak. Ich aß Calamares, dafür wurden Jürgen dann gleich 2 Steaks serviert - als ob er bis jetzt noch kein Fleisch bekommen hätte. Nun ja...

Wir gingen noch ein wenig durch die Gassen, die Häuser ein Mix aus gut restaurierten Kolonialhäusern und verlassen Bruchbuden - das macht den Charme von Montevideo aus !!

 

23.05. beim Frühstück trafen wir 2 Schweizer, die wir bereits auf dem Camping Hasta la Pasta in Paraguay getroffen hatten. Sie fliegen jetzt für 5 Monate nach Hause, lassen ihren Wagen hier und werden anschließend weiter in Richtung Afrika aufbrechen.... so hat jeder andere Pläne. Wir gingen noch ein wenig durch Montevido, das allerdings ziemlich schnell besichtigt ist. Mittags trafen wir dann noch zufällig einen anderen Schweizer, neben dem wir einige Tage hier in Uruguay auf dem Camping standen. Ja, alles trifft sich in Montevideo. Lustig.

Um 14 Uhr gaben wir den Bus im Hafen ab. Der Bus wurde kurz auf Kratzer und Beulen inspiziert, dies wurde notiert, der Schlüssel übergeben und nach 20 Minuten waren wir unseren Bus los - mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dies heißt, die Tour ist nun tatsächlich zu Ende - nach 71528 Kilometern hat unser Appartment auf Rädern super durchgehalten, gut bis auf einige Platten und eine neue Windschutzscheibe. 13 tolle Monate gehen zu Ende, wir trafen viele sehr nette Leute, vor allen Dingen in Mittel- und Südamerika, interessante Overlander, mit denen wir uns gut austauschen konnten. Die als kriminell abgestempelten Länder wie z.B. Guatemala, El Salvador, Honduras und einige andere zeigten sich von einer sehr gastfreundlichen Seite, wir hatten jedenfalls nur positive Erfahrungen gemacht. Eine Traumreise, die wir Jedem, der reisefreudig und zu Abenteuern bereit ist, ans Herz legen können.