14.01. heute hieß es, die beiden Passagiere mit Gepäck im Bus unterzubringen. Das ging alles reibungslos und los ging die Fahrt. Ich befürchtete ja wieder Schlimmstes im Lima-Großstadtverkehr, jedoch lief das Ganze entspannter als gedacht, da wir unser Hotel strategisch gut gewählt hatten und somit nicht mehr quer durch das Zentrum fahren mußten. Weiter ging es auf der etwas öden Panamericana mit vielen Sand- und Müllbergen rechts und links vom Wegesrand. Wir fuhren heute nach Huacachina, ein Ort westlich von Ica, der in einer Oase gelegen ist. Wir hatten uns das Ecocamp herausgesucht, wo wir unseren Bus abstellen und dort campen konnten, Diana und André kamen in ein Wohnzelt.Umgeben ist das Camp mit bis zu 100 Meter hohen Dünen. Auf eine Düne kletterten wir dann am späten Nachmittag hinauf, eine anstrengende Angelegenheit, zumal man im Sand nicht schnell vorankommt und das letzte Stück recht steil war. Von oben hatten wir eine gute Aussicht auf die Wüstenlandschaft, die Oase und unser Camp. Abends gingen wir Ceviche essen, dazu gab es ein paar Piscos zur Happy Hour. 

15.01. nach einem Frühstück am Pool fuhren wir zur Rallye Dakar; die bedeutendste Langstrecken- und Wüstenrallye der Welt fuhr ihre heutige Etappe zufälligerweise 20 Kilometer von unserem Camp entfernt vorbei. Also mußten wir uns das doch einmal anschauen. Ein Motorradfahrer mit Sozia aus Belgien fuhr hinter uns her, falls er im Sand oder Geröll gefallen wäre, wären wir zur Stelle gewesen. Die Strecke dorthin war sehr hubbelig und zum Schluß sandig. Der Motorradfahrer und wir sind dort gut angekommen, haben unseren Bus dann am "Wegesrand" abgestellt. Die Strecke war mit einem kleinen gelben Flatterband abgesperrt, Absperrung auf peruanisch. Jedoch wußten die Leute, wo die Autos, Motorräder und LKWs vorbeirasen. Wir haben dann auch gleich die Erstplatzierten heranrauschen sehen, vor allen Dingen sah die Fahrt des KTM-Fahrers schon recht abenteuerlich aus. Ein Kraftakt im Sand !!! Nach den Ersten kam eine Weile nichts, man mußte einen recht langen Atem haben, da längere Zeit nichts passierte, bis in den entfernten Dünen wieder ein Fahrzeug auftauchte. Um 12 Uhr beschlossen wir, daß wir genug gesehen hatten, da wir unsere Fahrt heute noch fortsetzen wollten. Also ab zum Bus, gedreht... und schon standen wir im Stau. Nichts ging mehr, das Chaos war perfekt. Die schmale Fahrspur, die noch einigermaßen befestigt und somit befahrbar war, war auf beiden Seiten mit Autos und LKWs verstopft. Rechts und links davon tieferer Sand, so daß man dort nicht fahren konnte. Erst einmal wurden noch ein paar alte Taxen, die man mit irgendeinem Schlüssel (nicht vom Eigentümer!) geöffnet hatte, zur Seite geschoben, dann folgte der LKW, der schon mit einem anderen PKW-Fahrer lautstark diskutierte (kurz vor Schlägerei), doch dies half nichts, da weitere LKWs, die nachrückten die Fahrspur blockierten. 2 Polizisten, die irgendwann mit ihrem Pick-up auftauchten, waren keine große Hilfe, sie sahen nur zu, daß sie mit ihrem sandfahrtauglichen Gefährt die Schlange überholten und sich wahrscheinlich zur Mittagspause aufmachten. Somit blieb alles verstopft, was tun? Ein Einheimischer kam zu uns und meinte, die einzige Chance, die wir hätten, Luft aus den Reifen zu lassen und er würde dann den Bus für uns fahren. Nach einiger Skepsis schlugen wir auf das Angebot ein, 1 Bar wurde jeweils aus allen Reifen gelassen und der Typ setzte sich ans Steuer, Jürgen auf dem Beifahrersitz. Wir drei anderen sind dann lieber wegen des Gewichtes hinterhergelaufen. Mit vollem Speed ging es dann an den Autos vorbei, ein paar Frauen wurden von der Piste gehupt, bis dann noch ein LKW entgegenkam, an dem es mit Haaresbreite vorbeiging. Bloß nicht vom Gas gehen. Nun ja, alles hat geklappt, Jürgen hat im Bus zwar fast einen Herzinfarkt bekommen, als der LKW auf sie zukam, aber das war die einzige Chance vor dem späten Abend dort noch wegzukommen. Weiter ging es nach Nazca, unserem heutigen Übernachtungsort. Wir steuerten den herausgesuchten Campingplatz inkl. Hütten (Maison Suisse) heraus und standen dort erst einmal am Rande des Ortes vor einem verschlossenen Tor. Dies wurde nach Klingeln geöffnet und wir fuhren in den hinteren Garten. Ich mußte schnell einmal zur Toilette und bekam den ersten Eindruck, dreckig... und hier sollte man auch noch duschen? Die Cabanas für unsere Mitfahrer sahen von außen auch schon nicht vertrauenserweckend aus. Abschreckend waren zu guter Letzt noch die Preise, die sie aufriefen. Wir beschlossen, diese Stätte zu verlassen und bekamen mit Glück noch 2 günstige Zimmer in einem wirklich guten, recht zentral gelegenen Hostal mit abgeschlossenem Parkplatz, was will man mehr. Wir gingen 15 Minuten in den Ort, um zu Abend zu essen, dann endete der Tag doch noch recht positiv....

16.01. über das Hotel hatten wir einen 40minütigen Flug über die Nazca-Linien gebucht. Die nur wenige Zentimeter tiefen Nazca-Linien sind in die Wüste eingeritzte zeigen Trapeze, Dreiecke, verschiedene Figuren wie den Kolibri, den Kondor, einen Affen und vieles mehr. Die  Figuren haben eine Größe von ca. zehn bis zu mehreren hundert Metern, dadurch lassen sie sich nur aus der Luft erkennen. Wie kommen die Linien dorthin? Wahrscheinlich handelt es sich um Gestaltungen im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualien, die zwischen 800 und 600 v.Chr. von den Paracas- und den Nazca-Kulturen angelegt wurden. So wurden wir um 7.30 Uhr abgeholt und zum Flughafen gebracht. Um 8.30 Uhr ging der Flug dann letzendlich los. Ein 6-Sitzer + 2 Piloten erwarteten uns und warnten uns bereits vor, daß es etwas rumpelig werden könnte, da der Flieger recht klein ist und er immer wieder entweder ein wenig nach links oder rechts abkippt, so daß jeder Passagier die Linien perfekt sehen kann. Der Flug war recht angenehm und es war wirklich ein Erlebnis, die verschiedenen "Bilder" aus der Luft bestaunen zu können. Gut gelandet wurden wir wieder zum Hotel zurückgebracht, wo das Frühstück auf uns wartete. Danach fuhren wir zum Chauchilla-Friedhof, wo man 1920 mumifizierte menschliche Überreste fand. Die Körper, die sitzend in Gräbern aus Lehmziegeln aufbewahrt wurden, sind vor allem wegen des trockenen Klimas in der Wüste gut erhalten. Sie wurden wohl früher mit Baumwolle bekleidet, anschließend mit einem Harz bemalt, die langen Haare sind ebenfalls noch gut erhalten. Ein etwas gruseliger, aber interessanter Ausflug etwas abseits unserer Strecke. Danach machten wir uns auf den langen Weg nach Cusco, eine lange Strecke von 650 km war zu bewältigen. Die Fahrt ging durch die Anden, über Pässe von bis zu 4400 Metern Höhe, die Straße ist gut ausgebaut, zieht sich jedoch in endlosen Kurven durch die schöne Landschaft. Heute erreichten wir nur noch den Ort Puquio, wo wir uns in ein Billighotel mit großer Garage einquartierten. Die Zimmer reichten zum Schlafen. Abends gab es noch für alle 4 gemischten Reis für insgesamt € 10,- inkl. Tee, ein absolutes Schnäppchen.

 

17.01. nach einem kurzen Frühstück in der Garage starteten wir den langen heutigen Ritt von 500 Kilometern, das Navi gab eine Fahrtzeit von 9 1/2 Stunden an. Die Strecke war landschaftlich wirklich sehr schön, wir kamen auf eine Höhe von bis zu 4300 Metern, die Berge waren teilweise von leichtem Schnee weißbestäubt. Das Wetter spielte mit und wir hatten nur einen kleinen Regenschauer. Auf der Höhe sahen wir dann Lamas, Alpakas und Vikunjas, lustige Tierchen, immer wieder nett anzusehen. In endlosen Serpentinen ging es weiter, teilweise im Tal durch eine Schlucht am Fluß entlang. Landschaftlich sehr schön, die Fahrt (wir wechselten uns bei der Fahrerei ab) war jedoch über die lange Zeit gesehen schon sehr anstrengend. Ab und zu mußten dann natürlich auch noch Busse, LKWs und langsamere PKWs überholt werden. Aber gut, um 16 Uhr kamen wir dann in Cusco an, dort herrschte wieder Verkehrschaos, teilweise waren Straßen, durch die wir eigentlich fahren mußten, gesperrt, hinzukam, daß es wie aus Eimern geschüttet hat, so daß das Wasser in Strömen die Straßen hinunterrauschte. Irgendwann kamen wir dann nach ca. 45 Minuten Herumfahrerei an unser Ziel, wobei die letzten Kilometer teilweise durch superenge Gassen ging. Wir hatten vorab ein Hotel gebucht, das im Innenhof Platz für unseren Bus hatte, eine Seltenheit hier. Recht geschafft vom langen Tag gingen wir dann doch noch die 15 Minuten vom Hotel in das sehr schöne historische Zentrum, wo wir uns in einer Pizzeria am schönen Ofen aufwärmten. Die Temperaturen sind hier natürlich nicht mehr so angenehm wie noch 2 Tage zuvor in der Wüste. Recht früh fielen wir dann in die Betten.

18.01. heute ließen wir es ruhig angehen, 8.30 Uhr frühstücken und dann zum Sightseeing in die Stadt. Cusco (3400 m hoch) war die einstige Haupstadt des Inkareichs in den peruanischen Anden, zu sehen an seinen archäologischen Stätten und der spanischen Kolonialarchitektur. Wir gingen erst einmal bei leichtem Regen zur Kirche San Blás mit einer tollen geschnitzten Kanzel, von dem Turm hatten wir nun bei aufreißendem Himmel eine schöne Sicht auf die Altstadt. Wir beschlossen kurzfristig, uns mit dem Taxi zur Ruine der Inka-Festung Sacsayhuamán fahren zu lassen, weil man von hier bei gutem Wetter u.a. einen tollen Ausblick auf die Altstadt hat. Man ist sich nicht sicher, ob die Ruine als Verteidigungsanlage oder als Heiligtum genutzt wurde. Das interessanteste an der Anlage ist der Aufbau

der terrassenförmig übereinandergebauten Mauern. Zum Bau der Mauern wurden von den 20 km entfernten Steinbrüchen riesige Felsbrocken heran tranportiert, wie auch immer, und bearbeitet, bis sie fugenlos aufeinander paßten. Ein absolutes Meisterwerk. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Wir gingen dann dn Weg von der Anlage zurück in das Zentrum, wo wir bei Kaffee und Kuchen erst einmal eine Pause einlegten. Danach gingen wir zum Hauptplatz, der Plaza der Armas, die von Säulengängen mit geschnitzten Holzbalkonen und Mauerruinen der Inkazeit umgeben ist. Hier steht ebenfalls die pompöse Kathedrale, die wir dann natürlich auch noch besichtigten. Wir schauten uns noch einige Kirchen an, gingen durch unzählige Gassen. U.a. sahen wir in einer Inkamauer einen Stein mit 12 Ecken !!! Von der Cusco-Tour ziemlich erledigt gingen wir in ein Restaurant, wo wir ein Alpaka-Steak aßen. Sehr lecker... obwohl dies ja so niedliche Tiere sind und viel zu schade zum Aufessen. Im Ofen im Gastraum wurde ein Meerschweinchen gegart...

 

19.01. heute mußten wir uns erst einmal um Zugtickets und Eintrittskarten für unseren Ausflug nach Machu Picchu kümmern. Erst besorgten wir die schweineteuren Zugtickets für die Strecke Ollantaytambo nach Aguas Calientes (1 1/2 Stunden Zugfahrt für umgerechnet € 65,00 für eine Tour) und dann noch die Eintrittskarten für € 40,00. Eine pure Abzocke, aber man möchte sich ja das Highlight von Peru unbedingt ansehen. Danach klapperten wir noch die Kirchen und Sehenswürdigkeiten ab, die wir noch nicht gesehen haben. Auf dem lebhaften Markt haben wir uns noch eine Ceviche gegessen, diese war hier natürlich deutlich preiswerter als im Restaurant, aber dafür auch gut. Den 2. Tag in Cusco ließen wir dann so langsam ausklingen. Für uns stand fest, daß Cusco eine tolle Stadt ist, die man sich unbedingt anschauen muß, zumal bei uns auch zur jetzigen Regenzeit das Wetter mit einem Wolken-/Sonne-Mix mitspielte. Zum Abendessen aßen unsere Männer todesmutig das in Peru beliebte Mahl - Cuy (Meerschweinchen), es wurde frisch aus dem Ofen mit einer Tomate auf dem Kopf serviert. Ein Meerschweinchen mit Kopf, Füßchen und allem Drum und Dran, nur das Fell war abgezogen. Das Essen begeisterte nicht, es bedeutete wenig Fleisch, harte Tischarbeit, viele Knochen und der Anblick war auch nicht sehr appetitlich. Fazit: einmal und nie wieder. Wir Frauen meinten nur: man muß ja nicht alles probieren...

Sacsayhuamán

Cusco

20.01. morgens fuhren wir mit dem öffentlichen Kleinbus 50 Minuten nach Písac, eine 33 km von Cusco entfernte Stadt am Fluß Urubamba, im Heiligen Tal der Inka gelegen. Am heutigen Sonntag fand ein großer Markt statt, die Leute aus den umliegenden Dörfern kommen zum Einkaufen, auf einem weiteren, täglich stattfindenden bunten Markt wurden typisch peruanische bunte Tücher, Pullover und alles das angeoten, was man nicht braucht oder vielleicht doch gebrauchen könnte. So kauften wir Diana und ich (natürlich die Frauen) Tischsets, Alpaka-Decken ein - schön und günstig !! Nach dem Shopping-Anfall beschlossen wir, da das Wetter so schön war, zu den Inka-Ruinen hochzulaufen. Steil ging es durch die Terrassen im ZickZack  2 Stunden den Berg hinauf, oben angekommen, sah man sehr schön die Ruinen, die teilweise noch recht gut erhalten waren. Der Blick zurück auf Písac und das Urubambatal ist auch wunderschön. Man kann sich auch mit dem Taxi den Berg hinaufbringen lassen, doch wenn man hochläuft, kann man die immer wieder neu auftauchenden Ruinen viel besser genießen. Die Anlage ist scheinbar nicht so bekannt und somit waren auch wenig Touristen auf dem Berg, sehr angenehm. Nachdem wir einige Zeit uns das Wunderwerk der Inka-Festung angeschaut hatten, fuhren wir aus Zeitgründen mit dem Taxi in den Ort zurück. Dort gönnten wir uns noch in einem etwas schmuddeligen Hinterhof Empanadas und Wasser mit Blick auf einen größeren gemauerten Meerschweinchen-Stall, na was mit den niedlichen Tierchen wohl passiert? Zurück fuhren wir auch wieder mit dem Minibus. Recht komfortabel, sehr günstig und die Endhaltestelle war nicht weit von unserem Hotel entfernt. Ein sehr schöner Tag ging dann mit einem letzten Abendessen in Cusco zu Ende. 

Sonntagsmarkt

Ruinen

21.01. morgens füllten wir im Real Plaza-Supermarkt noch unsere Vorräte auf, dann ging die Fahrt bei Regen weiter. Wir hielten noch an diversen kleinen Ruinen, die auf dem Weg lagen und in unserer Gesamteintrittskarte für diverese Inka-Stätten enthalten waren, jedoch waren wir der Meinung, daß es sich nicht besonders lohnt, dort anzuhalten, zumal es regnete. Also ging es dann schließlich weiter nach Ollantaytambo, wo wir in einem deutsch-peruanischen Hotel abstiegen. Wir erkundeten an diesem Nachmittag noch ein wenig den Ort, dann ging es an die Arbeit, Fotos sortieren, Bus von innen sauber machen etc. 

 

22.01. heute war der große Tag, wir fuhren nach Machu Picchu. Morgens um 4 Uhr ging der Wecker, mit Proviant bewaffnet gingen wir um 4.30 Uhr die 20 Minuten zum Bahnhof, wo unser Zug der Perurail-Gesellschaft um 5.05 Uhr losfuhr. 1 1/2 Stunden fuhren wir entlang des reißenden Flußes Urubamba nach Aguas Calientes, von wo aus wir noch 20 Minuten mit dem Bus zur Ruinenstadt hinauffahren mußten. In Aguas angekommen mußten wir erst einmal die Bustickets besorgen, ebenfalls recht teuer, aber wir haben uns für die komfortable Art des Fahrens und nicht des Laufens entschieden, dafür muß man eben zahlen. Wir hatten Eintrittskarten für 10 Uhr und durften dann auch erst um 9.20 Uhr mit dem Bus losfahren, es wurde uns nicht gestattet, auch nur eine Minute eher den Bus zu nehmen, obwohl an der Bushaltestelle nicht so viel los war. Im Gegensatz zur Hochsaison ab Mai war jetzt zur Regenzeit recht wenig los. Wir mußten zwar auch überall anstehen, dies war jedoch zu verkraften. In der Hochsaison ist hier sicherlich die Hölle los. So mußten wir uns noch die restliche Wartezeit in dem recht häßlichen Ort vertreiben, nun ja, auch das haben wir überlebt. Um 9.40 Uhr kamen wir dann an unserem Endziel Machu Picchu an, dort mußten wir im Nieselregen nochmals 20 Minuten auf Einlass warten, keine Minute eher !!!! 10 Uhr, los ging es, in einer Menschentraube gingen wir erst einmal zum weltberühmten Aussichtspunkt der Anlage, das Bild, das man in allen Prospekten sieht. Von dort hatten wir wirklich einen gigantischen Blick auf die gesamte Anlage. Entgegen der pessimistischen Meinung von Jürgen, daß wir in der Regenzeit wahrscheinlich vor lauter Wolken und Regen sowieso nichts sehen würden, war die Sicht phantastisch, der Himmel riß auf und wir sahen sogar blauen Himmel und der Regen stellte seine Arbeit ein. Wir hatten jetzt 4 Stunden Zeit, die Anlage zu erkunden, die brauchte man auch locker, um sich alles anzuschauen. 

Die Stadt wurde im 15. Jahrhundert von den Inkas auf einem Bergrücken in 2430 Metern erbaut. 216 teilweise mehrgeschossige steinerne Bauten wurden auf  Terrassen, die mit einem System von Treppen verbunden waren, gebaut. Die Forschung geht davon aus, daß in der Stadt bis zu 1000 Menschen gelebt haben. 

Machu Picchu ist wirklich ein absolutes Highlight der gesamten Reise und wir waren froh, daß wir trotz des heftigen Regens in der Regenzeit !! (haben wir bis jetzt noch nichts von gemerkt) dort hingefahren sind. Auch Jürgen konnte seine tollen Eindrücke von 1995 nochmals auffrischen, obwohl die Anlage im Vergleich zu früher jetzt überrannt wird. Glücklich und zufrieden haben wir dort auf dem Berg noch etwas getrunken und sind dann mit dem Bus wieder zurück in den Ort gefahren. Jetzt mußten wir noch 3 Stunden auf die Abfahrt des Zuges warten. Wir schlenderten über einen Markt und tranken noch etwas an der Hauptstraße, als es plötzlich anfing, heftig zu regnen. Tja, wenn Engel reisen....

In der Zwischenzeit setzte die Müdigkeit ein, da es doch ein langer Tag war. Wir dachten, wir könnten auf der Rückfahrt im Zug schlafen, doch zu unserer Überraschung bekamen wir noch etwas zu trinken und einen Snack. Danach folgte noch eine Alpakapullover etc. Modenshow. Mit Verspätung kamen wir dann in Ollantaytambo an und gingen direkt etwas essen. Danach fielen wir kaputt ins Bett. Ein toller, langer Tag...

23.01. heute konnten wir ausschlafen. Ein leckeres Frühstück folgte, mit Brot von einem Argentinier nach deutscher Art gebacken. Um 10 Uhr machten wir uns auf den Weg, den Ort zu erkunden. Ollantaytambo ist das einzige verbliebene Beispiel für die Stadtplanung zu Inkazeiten. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die Gassen sind noch im ursprünglichen Zustand. Wir besichtigten die imposante am Berg gebaute Festung der Inkas. Leider fing es immer wieder an zu regnen, trotzdem waren wir mit der Besichtigung der Anlage 2 Stunden beschäftigt. Dies war noch einmal ein netter Ausklang zum gestrigen Tag, obwohl die bereits besichtigten, auch tollen Inka-Stätten Machu Picchu nicht das Wasser reichen können. Wir setzten uns auf die Plaza, um bei einem Kaffee das Dorfleben zu beobachten. Interessant waren die Frauen, die in bunten Trachten ihren Alltagspflichten nachkamen.  

24.01. nach einem Schwätzchen mit Kalle aus dem Sauerland, dem das Hotel gehört, machten wir uns auf den Weg in Richtung Arequipa. Unser heutiges Ziel war der Ort Sicuani auf halber Strecke. Zuerst aber fuhren wir nach Urubamba, um dort bei einem Argentinier Brot und Croissants einzukaufen, wir bekamen den Tip von Kalle, der sein Brot ebenfalls dort kauft. Danach ging es zum Cchochahuasi Animal Sanctuary,  einem kleinen Tierpark, in dem mißhandelte Tiere, teilweise aus Privatbesitz, aufgenommen und gepflegt werden. Man sieht dort u.a. Adler/Papageien mit nur noch einem Auge, Pumas, denen die Krallen gestutzt wurden etc., teilweise werden die Tiere nach einiger Zeit wieder ausgewildert. Interessant war es ebenfalls, Kondore aus nächster Nähe zu sehen. Danach fuhren wir weiter nach Sicuani, ein Kaff, das sich nur zum Übernachten anbietet. Wir parkten den Bus im Innenhof, wo das Leergut einer Brauerei lagerte. Diana und André bezogen ihr Zimmer. Wir spazierten noch durch den Ort und beschlossen, daß man hier nicht tot über dem Zaun hängen möchte. Aber gut, die meisten Orte hier in Peru sind nicht sehr einladend. Also zurück zum Hotel, wo wir im Hotelzimmer unser Abendbrot zubereiteten. Es gab das leckere Brot mit Wurst, Käse, Tomaten. Mmhh, war das simple Abendessen lecker. Irgendwann verzogen wir uns in den Bus, um 21.45 Uhr wurde dann mit viel Lärm noch ein LKW mit Leergut beladen. Na toll, dachte ich, daß kann ja eine lebhafte Nacht werden. Nachdem ich dann die Oropax in die Ohren gesteckt hatte, kehrte Ruhe ein. So konnten wir dann doch noch gut schlafen. 

 

25.01. nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir dann an Lagunen vorbei, weiter ging es durch das karge Land, wo man nur noch vereinzelt Häusersiedlungen oder Häuschen sah, dafür gab es sehr viele Alpakaherden, die von einer bzw. 2 Personen gehütet wurden. Wir fuhren teilweise auf einer Höhe von bis zu 4700 Metern. Als wir uns Arequipa näherten, sahen wir vor uns den imposanten schneebedeckten Sechtausender Chachani und die Vulkane Misti und PichuPichu mit etwas unter 6000 Metern. Ein schönes Bild bei gutem Wetter.

In Arequipa steuerten wir das Grace Valley Hotel an, wo wir unseren Bus in dem schönen Garten abstellen konnten. Mit € 16,- ein etwas teurerer Campingplatz, aber dafür fußläufig zum historischen Zentrum. Am späten Nachmittag schauten wir uns noch ein wenig im Zentrum um, um dann den Tag mit einer Pizza und einem Pisco Sour, den wir auf die bis jetzt 50.000 gefahrenen Kilometer tranken, zu beenden. 

26.01. das Frühstück hatten wir mitgebucht. Es wurde im Garten bei Sonnenschein serviert. Ein wirklich gutes Buffet, wir aßen uns mal wieder satt. Da es am Nachmittag regnen sollte, brachen wir recht früh auf, um uns Arequipa näher anzuschauen. Die Stadt ist von 3 Vulkanen umgeben (die wir leider nur etwas wolkenverhangen sahen), die zahlreichen barocken Gebäude sind aus weißem Vulkangestein gebaut worden. Ein nettes Städtchen mit einem lebhaften Hauptplatz, einer imposanten Kathedrale und einigen sehr schönen Kirchen. Sehr imposant ist das Kloster Santa Catalina, das 1579 von einer wohlhabenden Witwe gegründet wurde.  Es erstreckt sich über 20.000 m2 und wurde mehrmals durch Erdbeben stark beschädigt. Früher lebten hier zeitweise bis zu 150 Nonnen mit ihren Dienerinnen. Das Kloster war ebenfalls eine Internatsschule, in der Töchter reicher spanischstämmiger Familien von den Nonnen unterrichtet wurden. Wir bekamen eine deutschsprachige einstündige Führung, sehr interessant, nachher genehmigten wir uns im kleinen Gartencafés des Klosters noch ein Stück leckeren Kuchen. Danach schauten wir uns noch die Plaza an und kauften auf dem großen Markt Nüsse und Obst ein. Den Nachmittag verbrachten wir noch im Garten, abends gingen wir schlecht und teuer essen. Die Krönung waren die Pisco Sour zur Happy Hour, die in einem Glas serviert wurden, die etwas größer als ein Schnapsglas waren. Eine absolute Abzocke. Beschwerden half nicht.... Zum Abschluss tranken wir noch aus dem Bus einen Rum, auch gut, trotzdem ein schöner Tag. 

27.01. nachdem wir das tolle Frühstücksbuffet so gut wie leergefuttert hatten fuhren wir nach Puno. Teilweise mußten wir die selbe Strecke wieder zurückfahren, wir dachten am Sonntag wäre der Verkehr weniger dicht, weit gefehlt. Wir fuhren erst einmal durch die häßliche Stadt Yura, wo sonntags Markttag war, dementsprechend verstopft waren die Straßen. Weiter ging es mit LKW-Konvois, die Jürgen allerdings recht zügig überholte. So ging es dann doch noch irgendwie voran; das Highlight der heutigen Strecke war in einer Höhe von 4174 Metern der Blick auf den 65 qkm großen See Laguna Lagunillas auf dem Anden-Altiplano. Auf dem Parkplatz, wo wir für den Fotostopp angehalten hatten, trafen wir 3 Motorradfahrer aus München und ein Paar aus der Schweiz, mit dem wir auch zusammen Weihnachten gefeiert hatten. So haben wir ein Schwätzchen gehalten und sind nach einer halben Stunde weitergefahren. Die Fahrt war landschaftlich wirklich schön und wir konnten auf einer Höhe von teilweise 4500 Metern wieder Herden von Alpakas bewundern. Der nächste Zwischenstop führte uns zu den Grabtürmen von Sillustani. Hier bestattete das Volk der Colla noch vor der Zeit der Inka ihre Könige und Würdenträger in monumentalen Steintürmen, Chullpas genannt. Die am kleinen Umayo-See gelegenen Grabtürme sind bis zu 12 Meter hoch. Forscher schätzen, daß sie um etwa 1000 n.Chr. entstanden sind. Sehr beeindruckend.

 

Am Nachmittag kamen wir im häßlichen Puno an. Wir hatten uns ein 4Sterne-Hotel direkt am Titicaca-See herausgesucht. Für $ 25,- konnten wir hier auf dem Parkplatz campen, das Frühstück sollte noch einmal $ 13,- pro Person kosten. Da wir keine Lust hatten, hier auf dem Parkplatz morgens zu frühstücken und mit Schlafanzug und Handtuch durch die Hotellobby zu laufen, haben wir kurzerhand über Booking.com ein Zimmer gebucht, dies war natürlich teurer, aber im Vergleich zum Campen für den relativ hohen Preis noch recht günstig. Das Abendessen war sehr gut und für die Qualität nicht zu teuer. Am Abend buchten wir dann gleich noch eine Tour für den nächsten Tag. 

 

Fahrt durch die Hochebene/Altiplano

Grabtürme Sillustani

28.01. um 7 Uhr wurden wir abgeholt und zum Hafen gebracht. Wir hatten eine Tour über den Titicaca-See gebucht mit Besuch der Uros, eine ethnische Gruppe Indigener. Sie leben auf schwimmenden Inseln, die aus getrocknetem Totora-Schilf hergestellt werden. Dieselbe Pflanze dient zum Teil auch zum Bau von Booten und Häusern. Die Wurzeln können gegessen werden. Natürlich ist dieser Ausflug sehr touristisch, viele Uros verdienen ihr Geld mit dem Tourismus. Also steuerten wir ebenfalls eine der ca. 50 Inseln an und gingen an "Land". Es ist schon ein ulkiges Gefühl, wenn man die schwimmende, schwankende Insel betritt. Die Uros zeigten uns, wie sie fischen, die Inseln bauen und wie ihre Häuser aussehen. Ein sehr einfaches Leben, sie leben wie gesagt vom Tourismus, die Fische, die sie fangen, tauschen sie einmal in der Woche auf dem Markt gegen z.B. Kartoffeln und Gemüse ein, das sie auf ihren Inseln natürlich nicht anbauen können. Die Inselkonstruktion hält ca. 30 Jahre, 2 Jahre dauert der Bau einer neuen Insel. Wir bekamen einen kleinen Einblick in ein Leben, das wir wohl nicht führen wollen. Weiter ging es zur Insel Taquile, wo 3000 Einwohner leben, die die Sprache Quechua sprechen, einige von ihnen sprechen auch Spanisch. Wir wurden mit dem Boot am Hafen abgesetzt und durften die 150 Meter den Berg hochkeuchen (dünne Luft), dazu muß man sagen, daß der See 3812 Meter über dem Meeresspiegel liegt und wir im Dorf in einer Höhe von fast 4000 Metern zum Mittagessen empfangen wurden. Auf dem Weg dorthin sah man ein wenig vom Inselleben, hier wird u.a. Mais und Quinoa angebaut. Die Insel ist ebenfalls für ihre strickenden Männer bekannt, wir haben jedoch nur 2 gesehen. Sonst verläuft das Leben dort wohl recht friedlich. Das Mittagessen war entgegen aller Erwartungen wirklich schmackhaft. Erst gab es eine Quinoa-Gemüsesuppe, anschließend Forelle (aus Kanada importiert). Wenn man das Wasser im See sieht (vor Taquile sieht es klar aus, wenn man sich Puno nähert, stinkt es und ist trübe), möchte man auch nicht unbedingt den hier gefangenen Fisch essen. Alle Abwässer aus Puno werden ungefiltert in den See eingeleitet, weiterhin soll er wohl auch quecksilberverseucht sein. Noch eine Geschichte, wie die Peruaner mit ihrer Umwelt umgehen.

Noch ein paar Daten zum Titicaca-See: er ist mit 8288 km² der größte Süßwassersee Südamerikas. Ca. 60% gehören zu Peru, 40% zu Bolivien. Nach dem Mittagessen wurden wir dann wieder 1 1/2 Stunden zurück nach Puno gebracht. 

Abends noch einmal das gute Essen im Hotel genossen, ja, das war ein Tag nach Jürgens Geschmack, es gab reichlich zu essen.... 

Uros

Insel Taquile