23.11. da wir den Bus glücklicherweise im Container untergebracht haben, konnten wir heute auch um 11.15 Uhr unseren Flug nach Cartagena in Kolumbien antreten. Nach einem pünktlichen Flug von ca. 70 Minuten landeten wir in unserer Lieblingsstadt Cartagena. Hier waren wir bereits vor 6 Jahren und freuen uns dieses Mal wieder, hier einige Tage verbringen zu dürfen. Wir hatten wieder das selbe Hotel wie damals gebucht, Hotel Monterrey im Stadtteil Getsemani, das sehr zentral gelegen ist. Wir wurden mit ca. 32 Grad begrüßt - und einem geschmückten Plastikweihnachtsbaum im Foyer. Irgenwie komisch...aber uns wurde wieder bewußt, in einem Monat ist Heiligabend. 

Wir bezogen unser Zimmer und gingen dann gleich in die wunderschöne Altstadt. Viele Ecken erkannten wir sofort wieder. Nun ja, 6 Jahre sind ja auch keine ganz so lange Zeit, auch wenn man schon manchmal unter Alzheimer leidet. Die Hafenstadt an der Karibikküste Kolumbiens wurde im 16. Jahrhundert gegründet und ist mit ihrer ummauerten Altstadt mit großen Plätzen, engen Straßen und bunten Kolonialgebäuden sehr sehenswert. Das Leben wird auch wieder günstiger, was wir an den Kosten für die Taxifahrt und das Essen merkten. 

Abends bekamen wir noch die gute Nachricht, daß unser Bus wie ehemals geplant mit dem Schiff an diesem Samstag verschifft wird. Na, ein Glück!!  mal sehen, ob es dann auch noch pünktlich am Montag hier eintrifft. 

Abends genossen wir den Blick von unserer Hotelterrasse auf die Altstadt mit ihrem Uhrenturm. 

 

24.11. mit einem guten Frühstück starteten wir in den sonnigen Tag. Heute stand noch einmal Fotosafari in der Altstadt und dem Viertel San Diego mit seinen vielen Kneipen und Restaurants auf dem Programm. Der blaue Himmel den ganzen Tag war eine schöne Überraschung, da die Wettervorhersage leichten Regen ab Mittag prophezeit hatte. Wir legten dann noch diverse Trinkpausen ein und entdeckten ein recht günstiges Restaurant (Crepes and Waffles), wo man gut und zu moderaten Preisen essen kann. So verging auch dieser Tag wieder wie im Fluge.

25.11. morgens gingen wir zum Castillo San Felipe, einer Festung, die von den Spaniern zur Kolonialzeit gebaut wurde. Interessant sind die zahlreichen Tunnel, die das Kastell durchziehen. Von hier oben hat man auch eine gute Sicht auf die Stadt. Als wir wieder am Hotel ankamen beschlossen wir kurzerhand, eine Tour mit dem Hop-On/Hop-Off-Bus zu machen. So sahen wir noch einmal andere Ecken von Cartagena. Den Rest des Tages vertrödelten wir auf der Aussichtsterrasse im Hotel. Abends aßen wir ein leckeres Steak in der Restaurantgegend San Diego. Es war fast so gut wie in Argentinien, genial war auch die Inneneinrichtung des Restaurants...

26.11. heute wollten wir einiges rund um das Thema Bus erledigen. Wir hatten gelesen, daß wir eine Autoversicherung auch ohne die Einfuhrgenehmigung des Zolls abschließen könnten. Wir gingen zu einem Versicherungsbüro SURA, wo die Angestellte uns sagte, daß sie keine Versicherung dort abschließen könnte. Also, das war dann schon einmal nichts... weiter zur VW-Werkstatt, wo wir uns nach dem Austausch eines Teils des Unterbodenschutzes erkundigten. (der Schutz wurde bereits in Kanada nach der Fahrt auf dem Dempster Highway repariert, jetzt bei der Verladung in den Container sah ich, daß der Schutz leider wieder kaputt ist und etwas herunterhing). Da VW den T6 hier nicht verkauft, dauert es ca. 1 Monat, bis sie ein Ersatzteil bekommen können, so lange können wir nicht warten. Wir einigten uns darauf, daß wir, sobald wir den Bus wiederbekommen haben, hier noch einmal vorbeischauen und VW will dann schauen, ob sie ihn noch einmal reparieren können. Somit hatten wir das erst einmal geklärt. Jetzt ging es auf die Suche nach Versicherung Nr. 2, die ganz in der Nähe von unserem Hotel ist. Die "freundliche" Dame am Empfang erklärte uns klipp und klar, daß sie ohne Einfuhrgenehmigung keine Versicherung abschließen könnte und dies auch nur für mindestens 3 Monate (wir brauchen sie nur für 1 Monat). Das hieß, daß wir das Büro der Seguros del Estado auch wieder unverrichteter Dinge verließen. Wir wissen jedoch, wo wir, wenn wir den Bus zurückbekommen haben, hingehen müssen. Ein kleiner Teilerfolg! Den Rest des Tages vertrödelten wir, nachmittags sahen wir, daß unser Containerschiff um 15.30 Uhr angelegt hat. Das heißt, daß wir uns morgen auf den Weg machen können, um die endlosen Formalitäten zur Abholung des Busses zu erledigen. Abends trafen wir uns noch mit dem Franzosen, unserem Containerpartner, um uns für morgen abzustimmen. 

 

27.11. der große Tag, wir wollten den Bus aus dem Hafen holen. Morgens fuhren wir zu dritt (Jürgen, Alex (Containerpartner) und ich) mit dem Taxi zu Seaboard, der Reederei, wo wir unseren finalen Frachtbrief bekommen sollten. Diesen bekamen wir dann auch, somit war klar, daß der Container angekommen ist. Mit dem Papier fuhren wir zur Zollbehörde DIAN, wo wir die vorläufige Importbestätigung bekamen. Mit der fuhren wir wieder zurück zu Searboard, um zu erfahren, daß wir zu einem anderen Büro fahren müßten, denn der Container steht in einem anderen Hafen (Manga), na schön, wieder ins Taxi. So vergingen schon einmal die ersten Stunden. Um es kurz zu machen, man erklärte uns, daß heute nichts mehr passieren würde, da unser Container auf Grund seiner Höhe (war etwas höher als der normale Container) nicht gescannt werden kann... dies ist bestimmt der erste Container in dieser Höhe, den der Hafen jemals gesehen hat !!! Ha ha. 

Vor Ort trafen wir noch Schweizer, die das selbe Problem hatten. Sie hatten darüber hinaus das Pech, daß ihr Schiff auch noch 1 Woche Verspätung hatte. Die letzte Info des Tages: wir sollten uns gedulden, sie würden dieses Problem prüfen und sich bei uns morgen per E-Mail melden. Jürgen glaubte nicht daran...Abends tranken wir noch frustriert ein Bier und waren total erledigt, um 21 Uhr lagen wir im Bett.

 

28.11. jetzt hieß es warten !!! Um 11.30 Uhr kam die erlösende Mail, daß der Container freigegeben wurde und der Bearbeiter uns um 13 Uhr für die weitere Bearbeitung in seinem Büro erwartet. Also wieder ins Taxi und zu Rafael gefahren. Der hatte zur selben Zeit 3 Vorgänge auf dem Tisch, die er abwechselnd bearbeitete. Zumindest sah man immer die selben Reisenden wieder, die ebenfalls auf die Herausgabe ihres Autos/Motorrades warteten. Irgendwann bekamen wir die Rechnung, die wir bezahlen sollten, das konnten wir gleich vor Ort an einem Bankschalter erledigen. U.a. mußten wir für einen Tag noch Lagerkosten für den Container bezahlen, dies war zwar nicht unser Fehler, aber keine Chance, dies mit Irgendjemandem zu diskutieren. Also zahlten wir und dachten, damit wäre alles erledigt, wir könnten unsere Busse aus dem Container fahren. Weit gefehlt !! Der Termin wurde für morgen angesetzt. Somit einen weiteren Tag mit Warterei vertrödelt.

 

29.11. um 8.15 Uhr bekamen wir vor Ort Helme und Warnwesten, Pflicht war es auch, geschlossene Schuhe und lange Hose zu tragen, und das bei der Hitze !! Alex und ich gingen also zum Eingang des Hafens, man ließ uns hinein und wir liefen etwas planlos dort herum. Man schickte uns zu einem Gebäude, dort trafen wir einen Mitarbeiter, der uns wieder auf "Start" zurückschickte. Dort trafen wir zufälligerweise unseren Bearbeiter Rafael wieder, der uns einen Hafenarbeiter rief, der uns dann zum Container begleitete. Jetzt mußte nur noch der Draht mit der Plombe zerschnitten werden, um den Container zu öffnen. Ein Arbeiter kam mit einem großen Bolzenschneider, der so ausgenudelt war, daß man damit Jemanden hätte erschlagen können, aber nicht den Draht durchtrennen. So versuchten 2 Leute eine Viertelstunde, den Container zu öffnen. Irgenwann gelang es und wir konnten den Dodge von Alex sehen. Dieser war so groß, daß an beiden Seiten kein Platz war, daneben herzugehen. Über dem Fahrzeug war auch nicht viel Platz, so daß ein sehr dünnerArbeiter über das Dach nach vorne turnte, um die Batterie anzuschließen. 1. Wagen herausgefahren, dann kam ich an die Reihe. Bei unserem Bus war auch nicht viel Platz, jedoch konnte ich durch die seitliche Schiebetür einsteigen. Der Mitarbeiter hat in der Zwischenzeit die Batterie angeschlossen und ich konnte den Bus aus dem Container fahren. Im Container waren es gefühlte 70 Grad und wir waren danach alles schweißgebadet. Aber der Bus war schon einmal draußen, keine Schäden und auch kein Schimmel im Auto, ein Glück. Wir machten mit den Handys noch Fotos von Auto, Nummernschild und Fahrgestellnr., mit diesen Fotos mußten wir dann wieder 15 Minuten zur Zollbehörde laufen. Dort saß der dicke Hans, unser Inspektor vom Zoll, der sich die Autos eigentlich vor Ort anschauen muß, es aber vorzieht, im wohlklimatisierten Büro zu sitzen und auf die Fotos zu warten. Nun ja, er hat dann unsere Papiere fertiggestellt und wir konnten wieder zurück zum Hafen gehen. Dort saßen auch wieder die Schweizer mit ihrer Agentin, die meinte, daß man eine Autoversicherung abschließen sollte, bevor man das Auto aus dem Hafen holt. Ok, wir glaubten ihr und fuhren mit dem Taxi zur Versicherung, wo wir bereits die Krankenversicherung abgeschlossen haben. Wir waren um 11.15 Uhr dort und um 12 bis 14 Uhr ist natürlich wieder Siesta angesagt, ob wir bis um 12 Uhr die Versicherung haben? Natürlich nicht. Die Sachbearbeiterin war "Land unter" und man sagte uns, daß sie jetzt die erforderlichen Unterlagen einscannen könnten, diese werden dann nach Bogota zur Zentrale zur Genehmigung weitergeleitet. Die Genehmigung kommt aber auf keinen Fall vor der Mittagspause, der Mitarbeiter Antonio, der vor Ort auf Englisch übersetzte, wollte uns in jedem Fall per Whats App informieren. Als ich auf mein Handy um 12.30 Uhr schaute, sah ich die Nachricht, daß das Scannen nicht geklappt hätte und wir die Unterlagen fotografieren und ihm mailen sollten. Wir sind direkt wieder zur Versicherung gestiefelt - in der Mittagspause - wo uns Antonio doch tatsächlich in seiner wohlverdienten Pause half. Er bekam von uns alle Fotos gemailt und die Bearbeiterin hat es nach Bogota weitergeleitet. 

Um 14 Uhr standen wir dort wieder auf der Matte, dort trafen wir auch auf ein paar bekannte Gesichter. Fakt war, um 15.15 Uhr hatten Alex und ich die Versicherung in der Hand. Also wieder mit dem Taxi zum Hafen. Entgegen unserer Annahme bekamen wir doch tatsächlich heute noch unseren Bus zurück. Auf dem Hafengelände mußten wir noch auf die "Entlassungspapiere" warten, dies dauerte ca. 15 Minuten, dann mußten wir über eine Waage fahren, erste Schranke, dann wurde das Auto gescannt, dies ist eigentlich nur für LKWs gedacht, so wurden die Ziffern von einem Mitarbeiter händisch eingegeben. Hierzu mußter er sich auf einen Holzklotz stellen, da diese Anlage zu hoch war, zweite Schranke. Das Auto hatte noch eine weiter Nr. aufgeklebt bekommen, die dann noch an der letzten Station im PC eingegeben wurde, dritte Schranke und yippiiiiii, wir waren draußen!!

Kaum zu glauben, nach nur !! 3 Tagen hatten wir den Bus bekommen. 

Abends haben wir uns dann noch mit Alex und seiner Frau Marjorie zu Bier und Abendessen getroffen.

30.11. Jürgen hatte gestern vorsichtshalber noch eine weitere Nacht im Hotel bestätigt und bezahlt. Umso erstaunter waren wir morgens über die Nachricht, daß wir das Zimmer heute um 13 Uhr verlassen sollten. Dies muß wohl ein Irrtum sein. Vor dem Frühstück fragten wir an der Rezeption nach und siehe da, man dachte dort, wir würden heute abreisen, obwohl wir für eine weitere Nacht bezahlt hatten. Jürgen hat dann Theater gemacht und dem Zuständigen gesagt, daß wir nach dem Frühstück eine Lösung haben wollen. Erfolg, wir können bleiben. So fuhren wir als erstes mit dem Bus zur VW-Werkstatt, wo wir den kaputten Kunststoff-Unterbodenschutz flicken lassen wollten. Oh Wunder, als wir dort vorfuhren, konnten wir gleich in die Werkstatt fahren, wo der Bus auf der Hebebühne inspiziert wurde. Ja, der Schutz hing wieder lose hinunter und die einzelnen Plastikteile hingen ebenfalls lose herum. Dies konnte jedoch wieder befestigt werden, so daß es hoffentlich bis Deutschland jetzt hält. Der Werkstattleiter wollte sich den Bus noch genauer anschauen, da es dieses Modell hier nicht gibt und dann konnten wir fahren...es kostete nichts, nur ein kleines Trinkgeld, das nennt man doch einmal Kundenservice. 

Anschließend fuhren wir zum Supermarkt JUMBO, ein gut sortierter Laden, wo wir unsere Vorräte wieder auffüllten, denn wir hatten vor der Verschiffung alles aufgegessen und -getrunken. Mittags schauten wir uns den Stadtteil Getsemani an, in dem wir wohnten, mit einigen netten Gassen, vielen Hostals, günstigen Restaurants, dem Platz Trinidad, auf dem man abends gut mit seinem zuvor gekauften Streetfood sitzen kann. An vielen Hausfassaden haben sich Künstler mit ihrer Street-Art verewigt. Nachmittags schlenderten wir noch ein letztes Mal durch die Gassen der Altstadt. Wir müssen feststellen, daß Cartagena bis jetzt immer noch unser Lieblingsort war und wohl auch bleiben wird. 

01.12. morgen startet der Ironman in Cartagena, einiges ist bereits abgesperrt und die Sportler machen sich schon einmal warm. Heute war es noch gut, die Stadt zu verlassen. Wir fuhren nach Taganga, ein kleiner Fischerort an der Karibikküste im Norden Kolumbiens. Hier treffen die Anden auf die Karibik. Jetzt wird uns erst einmal die kolumbianischen Verkehrsregeln bewußt.... es gibt keine !!! Wenn die Geschwindigkeit 30 vorgegeben ist, fährt man 80 oder schneller. Blinken - überflüssig. Nett sein zu den anderen Verkehrsteilnehmern - Fehlanzeige. Man drängelt, überholt, auch wenn man nichts sieht. Die Motorräder schießen rechts und links an einem vorbei, man muß die Augen überall haben. Ein derart aggressives Fahrverhalten haben wir auf unserer ganzen Tour bis jetzt noch nicht erlebt. Nun ja, wir sind gut in Taganga angekommen, auch wenn entspanntes Fahren anders aussieht. Wir konnten unseren Bus bei Helmut, einem Deutschen, für € 7,-/Nacht auf dem Parkplatz im Hof abstellen; links von uns ein Hühnerstall !!, Gänse im Vorgarten und ein paar Enten rannten im Hof herum. Wir unterhielten uns einige Zeit mit Helmut über die chaotischen Zustände/Bürokratie hier im Lande und erkundeten anschließend den Ort, der recht übersichtlich ist. Eine kleine Strandpromenade, der Strand ist ok, ein Superrestaurant eines Holländers (Babaganoush), das am Hang gelegen ist und eine tolle Sicht auf das Meer und die Bucht bietet. Hier hatten wir das beste Steak seit langem gegessen. 

02.12. morgens um 3.30 Uhr, wie sollte es anders sein, meldete sich der Hahn, daraufhin antworteten die Artgenossen von den umliegenden Grundstücken, ein wahres Kikiriki-Konzert. Das ganze wiederholte sich dann noch einmal um 5.30 Uhr, aber dies war dann nicht mehr so schlimm, da wir sowieso um 6 Uhr aufstehen wollten. Wir machten uns Frühstück und fuhren um 7 Uhr ca. 1 Stunde zum Tayrona Nationalpark. Für happige € 42,- Eintritt für 2 Personen und Parkplatzgebühr bekamen wir Zutritt zum Park. Auf  etwa 35 km zieht sich der 15000 ha große Park direkt entlang der Karibikküste, am Fuße der Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta. Nirgendwo sonst ragen die riesigen, bewaldeten Erhebungen direkt am Meer so auf. Wir liefen bei schwülen 32 Grad durch den tropischen Trockenwald, es ging hinauf und hinunter, an riesigen Felsenbrocken vorbei. Immer wieder traf man auf tolle mit Kokospalmen gesäumte Sandstrände, wo man auf Grund der starken Strömungen zum Teil leider nicht schwimmen gehen sollte. Nach 1 1/2 Stunden erreichten wir einen wiederum sehr schönen Strand (La Piscina), der zum Baden geeignet war, hier blieben wir zur Mittagszeit über eine Stunde, wo wir uns im nicht ganz so warmen Wasser erfrischen konnten, bevor wir den Rückmarsch antraten. Wir waren anschließend der Meinung, daß es sich trotz den hohen Eintrittspreises gelohnt hat, die Wanderung zu machen. Abends gingen wir noch einmal zum Holländer zum Steakessen, ich weiß, einseitige Ernährung....

 

03.12. der Hahn meldete sich natürlich wieder pflichtbewußt zur nachtschlafenden Zeit. Heute standen wir etwas später auf und gingen zum Frühstücken in den Ort. Dort gab es Sauerteigbrötchen, eine Abwechslung zum Weißbrot, wir nahmen uns noch 2 Brötchen mit, da wir heute eine etwas längere Tour vor uns hatten. Um 10 Uhr fuhren wir dann los, um in Richtung Süden in das Landesinnere zu fahren. Es ging nach Mompós, dessen historisches Zentrum 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde. Der wirklich sehenswerte Ort wird von vielen Touristen leider links liegen gelassen, weil er nicht auf der Standardreiseroute hier in Kolumbien liegt. Das ist sehr schade, denn hier gibt es viel zu sehen, u.a. Häuser im maurischen Stil mit indigenen Einflüssen, hohe Torbögen und geschmiedete Ziergitter vor mit Ziegeln überdachten Fenstern. So waren auch nicht viele Touristen zu sehen. Die Stadt liegt am Rio Magdalena, dies schafft eine tolle Atmosphäre, wenn man die Promenade am Fluß entlangflaniert (nur abends ist es hier stockfinster, so daß man dort ohne Taschenlampe nicht mehr herlaufen kann).

04.12. wir beschlossen, heute morgen nicht zu hetzen und uns noch einmal das nette Städtchen genauer anzuschauen. So schlenderten wir noch einmal in Ruhe erst einmal über den angeblich schönsten Friedhof Südamerikas, durch die Straßen, über die Plätze. Die Tore der Kirche Santa Barbara wurden soeben geöffnet, so daß wir die Kirche besichtigen und auf den Glockenturm hinaufsteigen konnten. Von dort hatte man eine schöne Aussicht auf Mompós und den Rio Magdalena. Zurück zum Hotel ging es am Fluß entlang, wo wir es uns in einem Café in den für Kolumbien typischen Schaukelstühlen bequem machten, um eine Kokoslimonade zu trinken. Wir mußten nun zum Hotel gehen, da wir um 13 Uhr die Fähre nehmen wollten, das bedeutete 1 Stunde Fahrt bis zur Fährablegestelle. Wir waren rechtzeitig um 12 Uhr vor Ort, um zu sehen, wie zuerst die großen LKWs rückwärts auf die etwas altersschwache Fähre fuhren. Dies war wirklich eine Meisterleistung der Fahrer, alle Achtung, wir waren froh, daß wir nur den "kleinen" Bus dabei hatten. Die Fähre wurde wirklich bis zum letzten Zentimeter mit LKWs und PKWs vollgestopft, dies dauerte natürlich einige Zeit, so daß sie dann letztendlich um 13.20 Uhr losfuhr. 

Die Fahrt dauerte dann insgesamt 1 1/2 Stunden. Wir fuhren dann noch bis zur Dämmerung in Richtung Medellín nach Planeta Rica, wo wir die Leute der Privatunterkunft, die wir uns für diese Nacht herausgesucht hatten, leider nicht antrafen. So fuhren wir in der Dunkelheit noch ein paar Kilometer weiter, wo wir ein Motel fanden, vor dem bereits einige LKWs standen. Das Zimmer mit Dusche war ok, wir hatten sogar 2 Betten, das Ganze für € 9,70 !! Günstiger als manch ein Campingplatz. Im Trucker-Restaurant haben wir noch etwas gegessen, auch für ein paar Euros. 

05.12. nach einem Frühstück im "Restaurant" ging die wilde Fahrt los. Vor uns lagen 349 Kilometer, die uns teilweise über relativ schlechte Straßen durch die Anden führte, es ging in Serpentinen bis auf ca. 2700 Meter hoch und wieder hinunter. Vor uns viele LKWs, die teilweise schwer beladen (u.a. mit Containern, dies erinnerte mich an etwas....) die Berge hinaufschlichen. Diese wurden dann von den anderen - wie bereits schon einmal erwähnt - Kamikazefahrern in LKWs, Autos und von Motorrädern an übersichtlichen, aber auch vor nicht einsehbaren Kurven überholt. Wir wollten natürlich auch nicht nur hinter den LKWs bleiben und so hieß es, die 200 PS einzusetzen und ebenfalls zu überholen. Dies war wirklich teilweise sehr stressig und anstrengend, bei dieser Fahrweise konnte weder Fahrer noch Beifahrer die gigantische Landschaft so richtig genießen. Nach 7 Stunden haben wir dann endlich unser Hotel Sites in Medellín  erreicht, noch im Hellen, da wir zum Glück früh losgefahren sind. Im Hotel konnte man kostenlos Wäsche waschen, das nutzten wir natürlich aus und starteten erst einmal 2 Maschinen. Wir waren dann Beide doch recht platt und sind dann noch zum Hard Rock Café gegangen, um dort einen Burger zu essen. 

06.12. unser Hotel lag im Stadtteil El Poblado, ein In-Viertel, das recht sicher ist. Medellín, eine Stadt mit 2,4 Mio Einwohnern, die auch auf Grund des angenehmen Klimas "Stadt des ewigen Frühlings" genannt wird, liegt im Aburrá Tal in den Anden auf einer Höhe von 1538 m. Früher vor allem bekannt für ihr Drogenkartell und die hohe Kriminalitätsrate hat sich nun sehr zum Positiven gewandelt und ist nun gut zu bereisen. 

Heute wollten wir uns die so genannte Comuna 13 anschauen, ein Problemstadtviertel, das jahrelang zuerst von den Guerilla ELN, danach von der FARC beherrscht wurde. Auch jetzt noch treiben sich Drogenbanden hier herum, aber die Lebensbedingungen für die Leute hier ist deutlich besser geworden. Wir haben am Vortag einen kostenfreien Spaziergang gebucht, der von Sergio, einem 27jährigen Kolumbianer geführt wurde, der in diesem Viertel groß geworden ist und auch jetzt noch dort lebt. Wir wurden 3 Stunden lang von ihm durch die steilen, engen Straßen geführt, indem er uns das Leben dort zu Zeiten der Guerilla und zum jetzigen Zeitpunkt auf eine sehr emotionelle Weise nahe brachte. Die Tour war intensiv, lebendig, man kann sie nur weiterempfehlen. Im ganzen Viertel sieht man Wandbilder/Graffitis von 

einheimischen Künstlern, die die Geschichte und die Gefühle der Betroffenen sehr gut darstellen. Ein Trinkgeld am Ende der Tour wurde auf jeden Fall fällig, da wir schon lange nicht mehr so eine gute Tour erlebt hatten. Im Anschluß gingen wir mit Sergio noch in seinem Stammlokal essen, das Ganze kostete für 2 Personen inkl. Getränke noch nicht einmal € 5,-. 

Anschließend ging es per Metro (im Vergleich zur Berliner U-Bahn supersauber) zum Platz Botero, wo 23 Skulpturen des bekannten Bildhauers Fernando Botero (er stammt aus Medellín) stehen. Die Skulpturen sind sehr markant, denn sie zeigen füllige Meschen und Tiere mit überzeichneten Proportionen. Interessant waren auch noch die Herren, die mit ihren alten Schreibmaschinen am Wegesrand saßen und für wohl betagtere Menschen hier noch Briefe schreiben, ja ja, nicht jeder hat einen Computer hier. 

Außer der phantastischen Lage hat Medellín unseres Erachtens her sonst nicht viel zu bieten, so werden wir dann morgen auch weiterreisen. 

Comuna 13

Graffitis

Plaza Botero

07.12. die Fahrt ging weiter, erst einmal mußten wir aus Medellín aus dem Tal auf die Anhöhe fahren, es ging die ganze Zeit steil bergauf. Zwischenhalt machten wir bei Jumbo, einem recht teuren, aber gut sortierten Supermarkt, der u.a. auch abgepacktes Vollkornbrot hatte, Salami und Käse dazu, zu deutschen Preise oder darüber. Milchprodukte sind auch echt teuer. Wir fuhren 2 Stunden wieder in vielen Kurven bergauf und bergab, heute aber auf recht guten Straßen und der LKW-Verkehr hielt sich auf der Strecke auch in Grenzen. Auf dem Weg zum Hostal in Guatapé, unser heutiges Ziel, fuhren wir an dem Felsen El Penol vorbei, den wir heute noch "besteigen" wollten. Aber erst einmal einen Platz im Hostal sichern, also fuhren wir erst einmal dorthin, auf dem letzten Stück nur noch Holperpiste. Wir konnten unseren Bus auf dem Platz vor dem Hostal parken und die Räumlichkeiten wie Küche und Bad im Hostal nutzen. Nach dem Einchecken fuhren wir wieder zurück zum El Penol, einem ca. 70 Millionen alten Granitfelsen, der mitten in der Landschaft steht. Wir liefen die 675 Stufen hinauf und kamen schnaufend oben an, denn die Höhe von 2135 Metern macht schon ein wenig zu schaffen. Zum Glück schnauften alle Anderen auch, so daß es doch nicht an mangelnder Kondition oder dem Alter lag. Von oben genossen wir den Blick auf den Stausee von Guatapé, der Ende der 1970er Jahre angelegt wurde. Dazu wurden 6365 Hektar überschwemmt, wo vorher das Dorf El Penol lag. Aus dem See ragen überall kleine Inseln, die teilweise mit Ferienhäusern zugebaut sind. Wir blieben eine ganze Weile dort oben, um die Landschaft zu bestaunen. Die Stufen hinunterzugehen war dann natürlich ein Kinderspiel.

Anschließend fuhren wir in den Ort Guatapé hinein, der bekannt für seine bunt bemalten Häuser ist. Eine Attraktion sind die in Reliefkunst gestalteten Häusersockel, die verschieden Motive der Geschichte und des Alltags der Region darstellen. Wir haben noch eine leckere,für die Gegend typische Forelle gegessen und sind dann zu unserm Campingplatz für diese Nacht gefahren.  

El Penol

Guatapé

08.12. der Wecker klingelte heute um 5.30 Uhr, denn wir hatten heute eine lange Fahrt vor uns. Inklusive Frühstück machen, den Bus wieder zu einem Bus zurückbauen dauerte es doch wieder 1 1/2 Stunden, bis wir dann schließlich um 7 Uhr losfuhren. Die ersten 3 Stunden hieß es wieder, in den Serpentinen die LKWs und Busse zu überholen, so daß man einigermaßen schnell voran kam. Das Überholen war nicht das einzige Problem, es waren die teilweise riesigen und tiefen Schlaglöcher, die umfahren werden mußten. Dies gelang auch einigermaßen ohne Platten und ohne sich das Auto zu ruinieren. Als ich dann fuhr, hatte ich das Glück, auf teilweise 2spurigen Autobahnen fahren zu können, so kamen wir wenigstens voran. Alles in allem waren wir nach 8 Stunden Fahrt an unserem Ziel Girón angekommen. Hier wollten wir übernachten, da es bis zu unserem eigentlichen Ziel Barichara (nochmals 3 weitere Stunden Fahrt) zu weit war. Das Städtchen mit seiner kolonialen Architektur ist kein Touristenziel, obwohl es sehr schön ist. Das Hotel befand sich direkt am Hauptplatz, wo wir dann auch am anderen Ende unseren Bus abstellten (die Polizei versicherte mir, daß es dort sicher ist). Wir spazierten durch die Gassen und sahen und die netten Häuserzeilen und Plätze an. Kaffee und Kuchen waren auch schnell gefunden. So verging die Zeit und wir stellten fest, daß die Fahrt doch ganz schön anstrengend war und wir rechtschaffend müde waren. Wir aßen dann noch zu Abend in unserem Hotel und gingen noch einmal über den Hauptplatz direkt vor unserer Tür. Ich glaube, der ganze Ort war auf den Beinen; auf dem in weihnachtlichen Farben beleuchteten Platz (u.a. schlittschuhfahrende Figuren- paßt ja wunderbar hier in die Gegend, wo wir heute 32 Grad hatten) wurde an unzähligen Ständen Essen geholt, die Kinder bekamen Luftballons und der Dorfpolizist regelte mit seiner schrillen Pfeife den Verkehr. 

09.12. die heutige Etappe war nicht schlimm, wir fuhren 3 Stunden nach Barichara. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir den gigantischen Canyon Chicamocha (227 km Gesamtlänge), der mit 2000 Metern die zweit tiefste Schlucht der Welt ist, u.a. eine tolle Motorradstrecke, die Straße ohne Schlaglöcher und Hubbel.

In Barichara angekommen fuhren wir erst einmal zum Campingplatz Guaimaro, der 2 sehr netten Holländern gehört, Joep und Julia, die hier eine Finca für sich umgebaut haben und nebenan eine Wiese haben, auf der man wunderbar stehen kann. Der wahrscheinlich schönste Campingplatz bis jetzt; mit Außendusche, Küche und vielen Annehmlichkeiten. Jeden Tag kann man selbstgemachtes Brot und Marmelade kaufen, sehr lecker. Ein Platz, den man sehr empfehlen kann. Hinzu kam, daß hier noch weitere Reisende mit ihren verschiedenen Gefährten standen (Franzosen, Schweizer, Deutsche aus Kapstadt), mit denen wir uns super unterhielten und Erfahrungen austauschten, da sie teilweise aus dem Süden kamen, wo wir dann noch hinfahren wollen.

Das 3,8 km entfernte Ortszentrum kann man wunderbar über einen schönen Wanderweg, der erst bergauf und dann parallel zum Berg geht, erreichen. Die Wanderung bietet schöne Ausblicke in das Tal, ein tolle Landschaft hier. Von oben hatten wir auch einen guten Blick auf den Campingplatz. 

Barichara ist eines der schönsten Kolonialdörfer Kolumbiens, das sich an die Abbruchkante über dem Canyon des Río Suárez schmiegt, die mit Natursteinen ausgelegten Gassen gehen steil hinauf, u.a. zur Kirche Santa Barbara, auch dort in der Kirche geht es in Richtung Altar leicht bergauf. Die weiß verputzten Häuser mit ihren Ziegeldächern sind nett anzusehen. Am Hauptplatz steht alles überragend die aus Naturstein gebaute Kathedrale. So liefen wir gemütlich durch den Ort, den wir auch bereits vor 6 Jahren sehr schön fanden. 

Chicamocha

Barichara

10.12. wir haben beschlossen, noch eine weitere Nacht hierzubleiben, da es so schön hier ist. Um 8 Uhr gab es das frische, noch warme Brot, dazu selbst gemachte Marmelade von hier und Honig, hmmm, war das lecker. So gestärkt machten wir uns auf den Weg, wir wollten den 9 km langen Camino Real laufen, ein alter holpriger Weg, über Buckelsteine, der von Barichara in das authentische Dorf Guane führt. Der Weg geht meistens bergab, einige Wanderer sahen wir auf der Strecke und sonst nur ein paar Kühe, die uns auf ihrer Wanderschaft entgegenkamen. Sie machten brav Platz, damit wir unseren Weg fortsetzen konnten. Der Spaziergang war sehr schön, vielfältig und wir hatten eine tolle Sicht auf den Canyon und Guane, ein ursprüngliches, kleines Dorf. Wir kauften eine Flasche Sabayon in einem kleinen Lädchen, das so ähnlich wie Bayleys schmeckt. Zurück nach Barichara ließen wir uns mit dem Tuk Tuk fahren. In Barichara liefen wir noch ein wenig herum, aßen zu Mittag und kauften noch etwas Obst und Gemüse ein, um danach weiter mit dem Tuk Tuk zum Campingplatz zu fahren.