03.03. morgens ließen wir uns Zeit und frühstückten erst einmal in Ruhe. Wir hatten heute nur 185 Kilometer nach Santa Cruz zu fahren und dies auf einer Autobahn. Dort mieteten wir uns in einem Hostal eines Schweizers ein, Casa Suiza. Wir unterhielten uns mit Moritz, dem Schweizer, der uns noch einige Tips zur weiteren Route gab. Nachdem wir im Bus noch ein Brot gegessen hatten, gingen wir zum 1,5 km entfernten Weingut Laura Hartwig. Das Haupthaus ist sehr schön direkt an den Weinstöcken gelegen, so daß wir mit Blick auf die schöne Landschaft einige Weine probierten. Im Gegensatz zu Mendoza schmeckten eigentlich alle Weine, wir kauften dann schließlich 4 Flaschen mit Sorten, die man selten bekommt. Mal sehen, wie sie dann im Bus schmecken werden. Anschließend gingen wir noch zum benachbarten Italiener, wo man auch wieder mit Blick auf die Weingegend gute Nudeln - jetzt bei einem Gläschen Agua Minerale - essen konnte. Zurück zum Hostal, wo wir unsere "Hausarbeiten" erledigten. 

04.03. heute eine etwas längere Fahrt zum Nationalpark Conguillío. Der Park ist ebenfalls unter dem Namen Los Paraguas bekannt, eine Anspielung auf die vielen großen Araukarien, Bäume, die wie Regenschirme aussehen. In der Dämmerung kamen wir auf dem Campingplatz Los Nirres an, zu einem Preis von € 33,- sehr teuer. Dort standen wir zwar sehr schön im Wald, jedoch gab es keinen Elektroanschluß, die Sanitäranlagen waren ok. Wir aßen im Bus das noch im Supermarkt erstandene gegrillte Hähnchen und gingen dann recht zeitig ins Bett. Internet gab es natürlich auch nicht. 

 

05.03. morgens war es dann doch noch recht frisch draußen, so daß wir im Bus frühstückten. Um 10.30 Uhr starteten wir unsere Wanderung auf dem Sendero Sierra Nevada. Es ging stetig bergauf durch einen tollen Mischwald aus Nothofagus- und Araukarienwäldern (Araukarie = chilenische Nadelbaumart). Im weiteren Verlauf boten sich tolle Blicke auf den beeindruckenden Vulkan Llaima und die Lagune Conguillio. Bei schönstem Wetter war die Sicht superklar und am höchsten Punkt in 1650 Metern der  Wanderung kreiste der Kondor über uns, ein tolles Schauspiel. Der Vulkan Llaima, der sich in allen möglichen Farben zeigt inkl. der Schneekappe ist nach seinen letzten 2 Ausbrüchen (letzter Ausbruch in 2008) um 70 m auf 3125 m "gewachsen", er ist einer der aktivsten Vulkane Südamerikas. Nach einem Picknick in der Sonne gingen wir zurück zum Bus, um anschließend weiter durch den Park zu fahren. Wir fuhren durch die schwarzen Lavaströme, die im Kontrast zu den weiß verschneiten Gipfeln der weit entfernten Berge und den malerischen Schmelzwasserseen stehen. 

Nach einigen Versuchen, Campingplätze in Melipeuco und Villarica zu finden, mußten wir feststellen, daß diese im März bereits geschlossen waren. Also fuhren wir weiter nach Pucón, wo wir einen Platz fanden, der tatsächlich das ganze Jahr geöffnet ist, ein Glück. Der Campingplatz ist ganz nett, wir stellten den Bus unter Bäumen ab und gingen in das nahe gelegene Zentrum. Der Ort ist sehr touristisch, mit vielen Bars und Restaurants. Das Restaurant, das ich aus dem Reiseführer herausgesucht habe, haben wir nicht gefunden, aber dafür gab es in einer anderen Bar einen megagroßen und leckeren Burger. 

06.03. Ruhetag - heute wollte ich Wäsche waschen, doch das Wetter zeigte sich grau und regnerisch, also Wäsche zur Lavanderia gebracht, abends sollte sie fertig sein. Wir streunten noch durch die Gegend, doch das Wetter wurde irgendwie immer ungemütlicher, so daß wir uns später auf den Campingplatz verzogen. Mittagessen haben wir dann zum Glück in einem unbeheizten Raum zu uns nehmen können. Wir schauten uns die weitere Route an und erledigten noch einige Dinge per Internet. Zum Mittagskakao und Apfelstrudel setzten wir uns in ein beheiztes Café im Ort. Leider wurde es den ganzen Tag über nicht besser. Als wir abends die Wäsche abholen wollten, war sie nicht fertig, wie hatte den nächsten Tag abends bestätigt. Ein großes Mißverständnis, wir einigten uns auf den nächsten Morgen um 9.30 Uhr, denn wir wollten schließlich weiterfahren. Abends Essen und bei Dauerregen ab in den warmen Schlafsack. 

07.03. bei Regen im Bus gefrühstückt, die Wäsche abgeholt, ein Brot beim Bäcker "Rostock" geholt und nach San Martin de los Andes gefahren. Dort haben wir einen Platz auf einem ACA-Camping (ähnlich ADAC) bekommen. Die ADAC-Karte wurde jedoch bzgl. eines Rabattes, wie wir es vorher gelesen hatten, nicht anerkannt. Also gingen wir in den Ort, wo wir 2004 schon einmal waren, wir haben aber nicht viel wiedererkannt. Wir hielten Ausschau nach einem Restaurant und mußten wieder einmal feststellen, daß die argentinischen Lokale meistens erst um 20 Uhr oder später öffnen. Da ist unsereins in Deutschland bereits fertig mit dem Dinner. Nun ja, hier heißt es warten oder selber kochen. San Martin, das am Lago Lácar gelegen ist, ist ganz nett, aber mehr auch nicht. 

08.03. morgens war es bei 2 Grad Außentemperatur ganz schön frisch. Schnell zum Duschen, zum Glück war das Wasser richtig warm, im Gegensatz zu vielen Duschen in der Vergangenheit. Heute ging es nach Villa La Angostura, der Ort gilt als einer der schönsten in den bergigen Teilen Patagoniens.  Wir fuhren die Route der Siete Lagos, eine tolle Strecke, die angeblich an 7 Seen vorbeiführen soll, es kam uns vor wie mindestens 1o Seen, der eine schöner als der andere mit kristallklarem Wasser. An die Strecke, die wir bereits 2004 gefahren sind, konnten wir uns noch gut erinnern.  Wir steuerten den Campingplatz Unquehué an, der mit seinen sehr modernen Sanitäranlagen wirklich top war. Hier konnte man auch mit  warmen Wasser Wäsche waschen; so hieß es erst einmal, etwas essen, Bus von innen sauber machen, ein wenig Wäsche waschen, so wurde es später Nachmittag. Nach einem selbstgebrauten Kaffee gingen wir in den Ort und weiter zum See Nahuel-Huapi. Der Weg dorthin zog sich ganz schön, so hatten wir einen schönen Nachmittagsspaziergang von 4,5 Kilometern bis wir an den Strand kamen. Wir liefen in einer dicken Jacke, jedoch windgeschützt konnte man noch im T-Shirt sitzen, so saßen noch einige Leute in Bikini am Strand. Wir haben uns eine Limonade gegönnt. Anschließend die Strecke zurück in den Ort, wo wir das Bistro von Königin Maximas Bruder (Königin von den Niederlanden) aufsuchten. Jedoch war es uns zu teuer, so daß wir weiterzogen. Trotzdem gut gegessen und zurück zum Campingplatz. 

Siete Lagos

Villa La Angostura

09.03. heute Frühstück vor dem Bus, anschließend einkaufen, da es in Argentinien günstiger als in Chile ist. Wir mußten die Salami aufessen, da wir heute wieder nach Chile ausreisen wollten, d.h. keine Früchte, Milchprodukte und Gemüse und Fleischwaren mitnehmen.

So fuhren wir nochmals eine sehr schöne Strecke zur chilenischen Grenze. Kurz zuvor tranken wir noch unseren Joghurt aus. An der Grenze

(der Grenzübertritt dauerte dieses Mal rekordverdächtige 30 Minuten) konfiszierten sie die restlichen 2 Scheiben Käse, die Jürgen dann  noch aß, und ein winziges Stück Butter, das konnten wir noch verschmerzen. Unsere Reiseapotheke wurde dieses Mal genauer aufs Korn genommen, warum auch immer. Die Fahrt führte nach Frutillar, ein Ort, der am Llangquihue-See gelegen ist und deutscher als manch eine deutsche Kleinstadt ist. Die ersten deutschen Siedler landeten hier im Jahr 1856 und auch heute noch gibt es hier eine deutsche Schule, ein deutsches Restaurant, man würde sich ein wenig wie in Deutschland zurückversetzt fühlen, wenn nicht doch alle hier spanisch sprechen würden. Wir kehrten in ein Café, von dem wir eine gigantische Sicht auf den 2652 Meter hohen Vulkan Osorno  hatten. Wir schlenderten noch ein wenig die Uferpromenade entlang, wo wir ein Auto mit Kölner Kennzeichen sahen. Die Familie aus Köln war mit 2 kleineren Kindern in einem Büschen unterwegs, der kleiner als unserer ist. Sie wußten weder, wie lange sie reisen, noch genau, wo sie hinwollten. Nun ja, auch das ist eine Art, zu reisen. Weiter ging es heute nach Puerto Varas, wo wir im Hinterhof des Hostals Compass del Sur mit unserem Bus stehen konnten, ein tolles Hostal mit neuen Sanitäranlagen. Von einer Deutschen, die dort für 1/2 Jahr ein Praktikum absolvierte, bekamen wir wertvolle Hinweise zur Weiterreise. Nachdem wir unsere weiteren Reisepläne besprochen hatten, gingen wir in den Ort. Wir hatten einen Plan mit einem Spaziergang bekommen, der uns an den alten deutschen Siedlerhäuser vorbeiführte. Die Stadt ist stark deutsch geprägt mit vielen historischen Gebäuden aus der Gründerzeit.  

Frutillar

Puerto Varas

10.03. nachdem wir die Oropax in die Ohren gesteckt hatten, war die Nacht ruhig. Gut, am Samstag Abend stieg im Nachbarhaus die Party und wir alten Leute waren relativ früh im Bett (im Bus). Heute ging die Fahrt erst einmal in Richtung Puerto Montt und weiter nach Pargua, von wo wir die Fähre zur Insel Chiloé nahmen. Die Fähre fuhr nach unserer Ankunft auch gleich los und für € 20,- ging es hinüber auf die Insel. Dort war unsere erste Station das Örtchen Punihuil, von dem die Ausflugsboote zum Naturdenkmal Islotes de Punihuil hinausfahren, wo wir sowohl Humboldt-als auch Magellan-Pinguine beobachten konnten. Die kleinen Kerlchen kletterten munter die Felsen hinauf und hinunter. Weiterhin treiben sich verschiedene Kormoranarten hier herum wie z.B. der Rotfußkormoran. Es war eine nette Bootstour. Weiter ging es nach unserem Picknick mit Blick auf den Strand über eine Schotterstraße über die hügelige Insel zur Hauptstadt Castro. Am Nachmittag kamen wir in dem Hostal Central an, wo wir dann letzendlich ein Zimmer bekamen. Der Campingplatz war irgendwie nicht existent und alles andere war ebenfalls undiskutabel. So machten wir uns auf zur Stadtbesichtigung, der Ort ist bekannt für seine Holzkirche San Francisco, die im Jahr 2000 zum Weltkulturerbe ernannt wurde und seinen bunten Pfahlbauten (palafitos genannt). Viele dieser Stelzenhäuser fielen dem Erdbeben von 1960 und dem anschließenden Tsunami zum Opfer. Abends aßen wir in einem der Stelzenhäuser leckeren Lachs.

11.03. morgens hieß es, Vorräte auffüllen, da wir die nächsten Tage die etwas einsame Carretera Austral fahren und die Einkaufsmöglichkeiten dort nur sehr eingeschränkt sind, noch ein paar Dosen Gas für unseren Kocher und los ging die Fahrt, wir verließen die Insel wieder mit der Fähre in Richtung Puerto Montt. Von dort fuhren wir nach La Arena, wo wir wieder ein Stückchen mit einer Fähre überwinden mußten. Die Fähre fuhr auch gleich wieder los, es ging an schneebedeckten Bergen vorbei, bei strahlendblauem Himmel. Auf dem Boot kamen wir mit Holländern ins Gespräch, die sich eingehend nach unseren Erfahrungen mit dem Bus erkundigten. Wer weiß, vielleicht sind sie die nächsten Kandidaten für die Panamericana. Das letzte Stück nach Hornopirén, einem kleinen Dörfchen am Golfo de Ancud war etwas nervig, da an dieser Stelle die Carretera Austral eine einzige Baustelle war. Um 17.45 kamen wir im Ort an, um gleich in das Büro der Fährgesellschaft zu gehen, um die Fahrt von Hornopirén nach Caleta Gonzalo zu buchen. Glück gehabt, das Büro schließt um 18 Uhr. Jetzt hieß es nur noch, eine Unterkunft zu suchen. Wir kamen in einem Biker-Hostal namens Quilda unter, recht neu, mit sehr netten Besitzern. Abends gingen wir wieder Fisch essen. 

12.03. wir standen bei grauem Himmel und Nieselregen auf. Tja, leider kein so tolles Wetter für unsere Bootsfahrt. Um 11 Uhr startete die Fähre und wir fuhren 3 1/2 Stunden durch eine leider etwas wolkenverhangene Fjordlandschaft nach Leptepu, von diesem Örtchen mußten wir jetzt 11 Kilometer bis zur nächsten Fähre fahren. Diese fuhr dann von Fiordo Largo nach Caleta Conzalo, auf dieser halbstündigen Fahrt riß der Himmel auf und wir konnten uns noch an den schneebedeckten Berggipfeln erfreuen. Die Touri-Info direkt an der Anlegestelle war saisonbedingt bereits geschlossen, dennoch konnte man sich im benachbarten Café zum Nationalpark Pumalín erkundigen. So fuhren wir in den Park, der ehemals vom amerikanischen Gründer der Fa. North Face (Douglas Tompkins) als Naturschutzprojekt gegründet wurde. Der ca. 290.000 ha große private Park wurde errichtet, um den sogenannten gemäßigten Regenwald zu schützen. In der App IOverlander haben wir uns den Wanderweg Sendero Los Alerces herausgesucht, der uns durch ein Waldstück mit patagonischen Zypressen führte. Die immergrünen Bäume können bis zu 50 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von bis zu 5 Metern erreichen. Eine schöne Wanderung, auf der wir 2 Overlander aus Lünen trafen, die mit ihrem großen Wohnmobil/LKW hier unterwegs sind. So kamen wir mal wieder ins Plaudern, tauschten Infos aus. So verging die Zeit und da es langsam dunkel wurde, suchten wir uns einen Campingplatz hier im Park. Wir landeten schließlich auf dem sehr schön gelegenen Campingplatz am Lago Blanco. Auf dem Platz konnten wir die Sanitäranlagen nutzen, wir konnten kostenfrei dort stehen, da im März die Saison vorbei ist und somit nicht mehr abkassiert wird. Gut für uns. Wir kochten unsere Nudeln mit Tomatensoße und gingen noch den kurzen Weg zum See hinunter, eine Idylle, die wir für uns alleine hatten. Irgendwann abends kam noch ein Auto und das war alles. 

 

 

Fahrt mit der Fähre

Park Pumalín

13.03. wir frühstückten im Bus, ein zutraulicher Vogel kam versuchte immer wieder, in den Bus zu hüpfen, um etwas von unserem Frühstück zu ergattern, hatte aber leider keine Chance. Die Brotkrümel verteilten wir vor dem Bus, das machte ihm dann wohl keinen Spaß. Natur pur! Leider fing es an, zu nieseln, so fuhren wie bei trübem Wetter auf der Carretera Austral weiter. Durch den Park ging es über die Schotterpiste, an riesigen Rhabarberpflanzen (Nalcas), Fuchsienbüschen und großen Farnen vorbei. Am Ende des Parkes begann die asphaltierte Straße, welche eine Wohltat, doch nach weiteren 190 Kilometern begann wieder die gut zu fahrende Schotterpiste. Wir hielten irgendwann an einem Café an, wo es für viel Geld Kaffee und ein riesengroßes Stück Kuchen gab. Demnächst werden wir uns vorher nach den Preisen erkundigen !! Beim Kaffeetrinken beobachteten wir einige Fahrradfahrer, die augenscheinlich auch auf längerer Tour unterwegs sind, teilweise werden sie wahrscheinlich auch die Panamericana fahren. Selbst eine Familie mit 2 Kindern haben wir auf Zweirädern gesehen, alle Achtung. Weiter ging die Fahrt auf der landschaftlich wunderschönen Carretera Austral zu unserem heutigen Ziel Puyuhuapi. Wir steuerten das Hostal Casa Ludwig an, in dem wir bereits 2004 übernachteten, leider haben sie in diesem Jahr die Unterkunft für immer geschlossen. Schade, denn wir hatten gute Erinnerungen an diese Unterkunft. Mangels Campingplätzen im Ort gingen wir in ein Hostal, das auch ganz nett war. Am Nachmittag erkundeten wir noch ein wenig den Ort, der an einem Fjord liegt. Puyuhuapi wurde 1935 gegründet und zeigt heute noch Spuren der deutschen Siedler, somit heißt die lokale Schule z.B. "Hamburger Schule"... Nachmittags hat es ordentlich geregnet, so daß wir uns in das Hostal verkrochen, wo der Ofen bollerte und es schön warm war. Nach einem Aufwärmtee beschäftigten wir uns noch ein wenig mit den Fotos und der weiteren Reiseplanung. Abends Fischessen im Mi Sur. 

14.03. weiter ging es auf der Schotterpiste-Carretera Austral, an Rhabarber und Fuchsien vorbei, leider sind die farbenfrohen Lupinen, an denen wir uns 2004 erfreuten bereits verblüht. Gut, der Sommer ist hier nun vorbei. Vorbei ging es an dem Fjord Puyuhuapi, den wir erst nur bei trübem Wetter und Wolken sahen, als wir dann im 20 Kilometer entfernten NP Queulat ankamen, kam die Sonne aus ihrem Wolkenbett hervor, na super für unsere 2 3/4 stündige Wanderung zum Ventisquero Colgante. Zum Glück haben wir unsere richtigen Wanderschuhe angezogen, denn es ging über Stock und Stein, durch Schlamm 250 Meter hoch zum Aussichtspunkt, von dem wir im schönsten Sonnenschein den Colgante beobachten konnten. Die Gletscherzunge hängt über eine steile Felswand über, mit mehreren beeindruckenden Wasserfällen. Wir erlebten, wie Eisbrocken an der Abbruchkante unter tosendem Lärm in die Tiefe stürzten. Die Wanderung hat sich wirklich gelohnt. Als wir die Aussichtsterrasse verließen, zogen auch schon wieder Wolken auf, da hatten wir wieder einmal Glück. Zurück ging es dann zum Bus, wo wir uns ein wenig stärkten und die Weiterfahrt antraten. Weiter ging es auf der Rumpelsstrecke nun teilweise in Spitzkehren den Berg hinauf, immer wieder genossen wir den Blick auf die Gletscher. Auf der Strecke trafen wir noch ein paar Franzosen, die mit ihrem älteren Westfalia vom Süden in Richtung Norden unterwegs waren. Nach einem kurzen Plausch ging es weiter mit toller Landschaft und Superblicken auf Lagunen und der umliegenden Berglandschaft. Irgendwann war die Straße wieder asphaltiert und wir kamen zügiger voran, so erreichten wir am späten Nachmittag den Campingplatz in Coyhaique. Zu unserer großen Überraschung stand dort ein Wohnmobil/LKW mit GM-Kennzeichen. Ilka und Günther kommen aus Wipperfürth und sind bereits seit 6 Jahren auf Reisen. Tja, da können wir Kurzurlauber natürlich nicht mithalten... aber schon mitreden, denn wir haben festgestellt, daß wir doch einige gemeinsame Reiseziele haben, nur, daß die Beiden sich dafür deutlich mehr Zeit lassen. 

Abends gingen wir Beide noch etwas in der benachbarten Brauerei essen, dann haben wir noch mit den Ex-GM bei chilenischem Rotwein zusammengesessen. Um 1.15 Uhr morgens waren wir dann endlich im Bett. 

15.03. wir beschlossen, noch einen Tag hierzubleiben. Den Tag nutzten wir, um Wäsche zu waschen, Fotos zu sortieren, mit Ilka und Günther aus dem Oberbergischen zu quatschen. Ein Holländer war auch noch in der Nachbarschaft, er fährt ebenfalls nach Süden, um dann anschließend sein Auto zu verkaufen und dann für 1 Jahr nach Australien zum Arbeiten zu gehen. So trifft man die unterschiedlichsten Leute. Abends gingen wir zu Viert in den Ort, um etwas zu essen und das hiesige Bier zu probieren. Es wurde schon wieder 1 Uhr bis wir im Bett waren. Na ja, man hat sich viel zu erzählen....

 

16.03. heute war das nächste Stück Carretera Austral angesagt, eine Schüttel- und Rüttelpiste. Erst war die Straße noch annehmbar, doch das änderte sich dann irgendwann und wir und der Bus wurden auf der Wellblech-Schotterpiste ordentlich durch geschüttelt. Die Fahrt führte durch den Cerro Castillo Nationalpark. Allüberragend steht der Cerro Castillo (castillo heißt auf spanisch Burg) dort, ein gezackter Felsgipfel, der mit seinen steilen Basaltspitzen tatsächlich an eine Burg erinnert. An seinen Seiten sieht man einige kleine Gletscher. Eine beeindruckende Landschaft, die über viele Kilometer nicht langweilig wird. Letzendlich erreichten wir den Lago General Carrera, ein riesiger See mit einer Gesamtfläche von 1850 km², er liegt in Chile und Argentinien, wo er dann den Namen Lago Buenos Aires 

trägt. Das Wasser leuchtet im Sonnenschein türkis-blau. Unser heutiges Ziel war  Puerto Tranquilo, wo wir einen Campingplatz am Rande des Örtchens ansteuerten. Wir waren hier bis auf ein weiteres Zelt alleine.  Wir wollten uns eigentlich noch die Marmorkathedrale ansehen, tolle Felsformationen im See, die man nur vom Boot aus sieht, jedoch zog es dann zu und es war für eine Tour zu spät. Für morgen haben sie wohl heftigen Wind von bis zu 68 km/h vorhergesagt und somit fährt kein Boot, warten wir es ab. In jedem Fall haben wir diese Tour schon einmal 2004 gemacht, so daß es nicht so tragisch wäre, wenn wir es dieses Mal nicht sehen können. Wir gingen noch ein wenig durch den sehr überschaubaren Ort, setzten uns  am Seeufer an den "Strand" und beobachteten die vorbeiziehenden Wolken. Nach dem Abendessen gingen wir zurück zum Bus.

17.03. bei grauem Himmel und Nieselregen aufgestanden, gefrühstückt und dann tanken gefahren. Von der Tankstelle aus sahen wir, daß die Boote heute fahren, also hat Jürgen spontan eine Bootstour gebucht, obwohl das Wetter nicht optimal war. Mit Schwimmwesten ausgerüstet fuhren wir zur Anlegestelle und bestiegen das Boot. Wir bekamen Regencapes, nicht gegen den Regen (der hat aufgehört) sondern gegen das Wasser, daß bei der etwas schunkeligen Fahrt in das Boot schwappte. So fuhren wir 20 Minuten bis wir die Marmorhöhlen erreichten. Die vom Wasser ausgewaschenen Felsen bestehen nicht aus Marmor, die Wände sehen jedoch mit ihren feinen, wellenartigen Strukturen wie Marmor aus. Die Wände wurden durch die ständigen Wellen des Gletschersees gebildet, die sich innerhalb der Höhlen unermüdlich auf und ab wogen. So fuhren wir mit dem relativ kleinen Boot teilweise in die Höhlen hinein. Die Sonne zeigte sich auch endlich, s0 daß das Wasser im Kontrast zu den schönen farbigen Felswänden türkis schimmerte. Irgendwann hatten wir alles gesehen und uns stand die Rückfahrt bevor, dieses Mal war der Seegang bedeutend rauher und in der kleinen Nußschale wurde es ganz schön schaukelig in den hohen Wellen. Die Rückfahrt schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, da der umsichtige Kapitän natürlich nicht schnell voran kam, ohne die Gefahr des Kenterns. So waren wir schon ganz froh, als wir wieder auf sicherem Boden standen. 

Jürgen mußte sich erst einmal eine trockene Hose anziehen, ich hatte mir schlauerweise die Regenhose angezogen. Nun ging die Fahrt los, wir fuhren zuerst noch ein Stück an dem wunderschönen Lago General Carerra entlang bis wir dann den Weg zum Parque Patagonia einschlugen. Zuerst fährt man an Steppenwiesen vorbei, wo wir einige größere Herden von Guanacos beobachten konnten. Immer wieder schön, diesen Verwandten der Lamas zuzuschauen. Wir machten erst einmal Halt im Besucherzentrum/Restaurant, wo wir Infos zu Wanderwegen und Campingplätzen bekamen. Wir entschieden uns für den Platz Valle Alto, in dessen Nähe einige Wanderwege beginnen. Wir aßen noch ein teures Brot und fuhren die 50 Kilometer zu unserem Übernachtungsplatz. Das Wetter wurde immer schlechter und wir kamen bei Regen und Sturmböen dort an. Wir sahen gleich, das Dach mußten wir bei den Böen heute überhaupt nicht öffnen, es wäre gleich vom Winde verweht worden. Bei dem Sch...wetter zogen wir es vor, erst einmal im Bus zu bleiben. Tja, irgendwann muß man natürlich auch mal irgendwohin, wir warteten eine kleine Regenpause ab und los ging es. Abends kam der Ranger, um zu sehen, ob wir bezahlt hatten, Ordnung muß sein....

Marmorhöhle

18.03. wir haben trotz des Sturms gut geschlafen und der Himmel klarte nach dem Frühstück sogar auf, so daß wir spontan beschlossen, doch noch eine Wanderung im Park zu machen. Wir mußten erst einmal eine sehr schmale Straße inmitten von Sträuchern zum Startpunkt des Wanderweges Lago Chico fahren bis wir an eine Abzweigung kamen, wo ein Hinweisschild stand, nur für 4x4 Fahrzeuge. Tja, was nun? Wir haben zwar ein 4x4-Fahrzeug, wußten aber nicht, wie schlecht/steil die Schotterpiste wurde, so parkten wir unseren Bus lieber hier, um dann das letzte Stück des Weges zu Fuß zu gehen. So sahen wir, daß wir doch mit dem Bus hätten fahren können, aber jetzt waren wir halt per pedes bereits unterwegs. Auf dem Schotter war die Lauferei zwar nicht so toll, dafür war der Wanderweg umso schöner. Wir liefen über einen schönen teilweise mit Gras bewachsenen Weg hinauf zum Aussichtspunkt. Der Himmel war zwar nicht blau, dafür war die Sicht aber auf den Lago Cochrane und die umliegenden schneebedeckten Berge sehr schön. Vom Aussichtspunkt ging es wieder zurück zum Bus, gerade kam noch ein Paar mit einem kleinen Wicked-Mietmobil angefahren. Mit ihnen haben wir uns noch eine Weile unterhalten bevor wir dann über den Paso Roballos in Richtung Grenze fuhren. Dort oben auf dem Pass ging die Temperatur auf 5,5 Grad zurück und es wehte der starke, für Patagonien typische "Wind", der bei uns schon als Sturm bezeichnet wird. Beim Aussteigen aus dem Bus mußte man aufpassen, daß die Tür nicht aus den Angeln gerissen wurde. Die Grenzformalitäten sowohl auf chilenischer als auch argentinischer Seite gingen dieses Mal wieder superschnell, nach Lebensmitteln wurde gefragt, aber sie hatten wohl keine Lust, das Auto zu durchsuchen. So haben wir die Butter und den Honig vergebens "versteckt". Lustig waren auch die Zollamtsstuben, kleine Buden, um die der Wind so richtig pfiff. Hier wollte ich auch nicht arbeiten... So kamen wir nach einer anschließend etwas öderen und stürmischen Fahrt in dem kleinen Örtchen Perito Moreno an. Wir steuerten den kleinen Campingplatz von Raul an, sah von außen ein wenig wie bei den Flodders aus, jedoch trauten wir uns doch dort hinein. Ich wurde sogleich von Raul herzlichst begrüßt und wir bekamen einen Stellplatz auf dem Rasen hinter dem Haus. Die Küche war sogleich Rauls Einzimmerappartment, wo Waschmaschine und Bett standen. Er sagte, wir sollten Platz nehmen und erst einmal etwas essen. Ein weiterer Bekannter von ihm war ebenfalls da und wurde verköstigt. Das nennt man doch mal argentinische Gastfreundschaft. Da Jürgen noch Hunger hatte, machten wir uns auf die Suche nach Eßbarem im Ort. Immer wieder vergessen wir, daß man hier in Argentinien frühestens um 19.30 Uhr essen geht. Nun ja, wir fanden noch ein Restaurant, daß früher offen hatte und Jürgen bekam sein schönes argentinisches Steak...

Fahrt am Lago General Carrera vorbei

Nationalpark Patagonia

19.03. Frühstück bei Raul in seinem "Appartment", wir durften seine Küche benutzen, um unser Frühstück zuzubereiten. Natürlich bekam er von unserem, für ihn leckeren Kaffee, auch eine Tasse ab. Er war begeistert und wir mußten noch das Brot probieren, daß seine Tochter in ihrer Bäckerei verkauft. Nun ja, Weißbrot wie eh und je. Zum Frühstück kamen auch noch ein paar Brasilianer, die mit ihrem 300 ccm Mopped in 2 Jahren nach Alaska fahren wollten, alle Achtung. Da schätzen wir doch unseren Komfort !! Heute hatten wir die Ruta 40 vor uns, die vor 15 Jahren reine Schotterpiste war, jetzt ist bis auf 70 Kilometer Schotterpiste, die gut zu fahren ist, alles asphaltiert. So kamen wir auf den 600 Kilometern gut voran. Es ging an einem großen See, Herden von Guanakos (die auch schon einmal gerne auf der Straße spazieren gehen), Gürteltieren und Nandus vorbei. Der typische patagonische Wind war nicht so stark wie erwartet, umso besser. Am späten Nachmittag sahen wir in der Ferne die Spitzen des beeindruckenden Fitz Roys, ein 3406 Meter hoher Granitberg in den argentinisch-chilenischen Anden. In der Sprache der Tehuelche-Indianer heißt er wegen der öfters an den Spitzen sichtbaren Wolken Chaltén (= der Rauchende), heute heißt das Dorf, das wir zum Übernachten ansteuerten, El Chaltén. Aufgrund der Form und der extremen Wetterverhältnisse hier in Patagonien bleiben die meisten Versuche, den Berg zu besteigen, erfolglos. Das "Dorf", das wir von vor 15 Jahren in Erinnerung hatten, ist zu einem ausgewachsenen Ort geworden, mit vielen Kneipen, Restaurants, Hostals und dem Campinplatz El Relincho, wo wir die nächsten 3 Nächte stehen werden. Wir standen vor einem Windschutz und erfragten an der Rezeption erst einmal die Wetter- und Windvorhersage, es sollte die nächsten 4 Tage (für patagonische Verhältnisse) windstill sein. So beschlossen wir, das Dach aufzustellen. Tatsächlich war es recht windstill. Wir gingen noch essen und ab in den Bus. 

20.03. das Wetter sah gut aus und wir machten uns auf den Weg zum Aussichtspunkt Fitz Roy. Wir liefen den Rundweg hinauf zum Mirador, von dem man bei Superwetter eine tolle Sicht auf die Spitzen des Fitz Roys hatte. Weiter ging der gut zu laufende Weg zur Laguna Capri, landschaftlich eine sehr schöne Wanderung, ca. 10 Kilometer. Unten im Ort haben wir noch einige Kleinigkeiten wie Empanadas und Alfajores (argentinische Kekse mit einer süßen Füllung mit Schokolade überzogen, sehr lecker) gekauft und haben dann anschließend am Bus zu Mittag gegessen. Wir verbrachten den Rest des Nachmittages damit, die zahlreichen Fotos zu sichten und zu sortieren. Da das Internet hier sehr schwach oder garnicht funktioniert, konnte man das Blog schreiben auch vergessen. Abends machten wir uns auf die Suche nach Gemüse für unsere Tomatensoße, die paar Läden, die es hier gibt, hatten nur superverschrumpelte Paprikas und sonst fast nichts, also sind wir doch wieder essen gegangen, in die Cervezeria (Kneipe), die es bereits vor 15 Jahren als fast einziges Lokal hier gab - ich habe es direkt wiedererkannt. Ganz gut gegessen und das Bier schmeckte auch....

 

21.03. für heute war eigentlich Regen gemeldet, doch der Himmel sah gut aus. Also machten wir uns heute auf zur Wanderung Laguna Torre, eine insgesamt 18 Kilometer lange Tour. Erst ging es über ein wenig Geröll und Felsen den Hügel hinauf zum ersten Aussichtspunkt auf den Cerro Torre, dort trafen wir ein paar Deutsche aus der Nähe von Dortmund, mit denen wir uns einige Zeit unterhielten. Auf dem Weg waren recht viele Touris unterwegs, die meisten kamen wohl aus Deutschland. Die Aussicht bei gutem Wetter war wieder richtig schön. Auf der ganzen Strecke zum nächsten Stop, der Lagune, schauten wir auf den 3128 Meter hohen "Turm-Berg", der Granitberg, der mit seinen steil aufragenden, glatten Granitwänden bei Bergsteigern als einer der schwierigsten und zugleich schönsten Gipfel gilt. Es wurde mit der Zeit immer sonniger und wärmer, so daß wir nur noch im T-Shirt weiterliefen. An der Lagune angekommen, machten wir Mittagspause, mit einem phanstastischen Blick auf die Lagune, Torres und die Gletscher. Gestärkt gingen wir die 9 Kilometer zurück. Nachmittags belohnten wir uns mit den gestern in der Bäckerei gekauften Leckerchen. Ab unter die Dusche und dann ging Jürgen noch einmal los, um die Lage im Supermarkt zu peilen, er kam doch tatsächlich mit 2 einigermaßen ansehnlichen Paprikas und einer Zwiebel zurück. So konnten wir unsere Nudeln mit Gemüsesoße doch noch zubereiten. Ja, irgendwie ist es in Punkto Einkaufen und Kochen nicht wie zuhause. Nachdem wir die Flasche Rotwein aus Chile ausgetrunken hatten, ging es recht früh ins Bett. 

22.03. morgens ließen wir es langsam angehen, denn wir hatten keine weite Strecke. Heute war es stark bewölkt und wir waren froh, daß wir die letzten beiden Tage für unsere Wanderungen so tolles Wetter hatten. Heute wäre es bestimmt etwas naß von oben geworden. Glück gehabt. Wir fuhren ein eher öderes Stück nach El Calafate, ein Ort, der auf Grund der immer steigenden Anzahl von Touristen stark gewachsen ist. Wir kamen bei Regen hier an und fuhren erst einmal zur Touri-Info, um uns über Touren zum Gletscher Perito Moreno zu informieren. Es gibt Wanderungen (haben wir bereits 2004 gemacht) oder aber die von den Dortmundern empfohlene ganztägige Bootstour. Wir entschieden uns später für die recht teure Bootstour für fast € 100,- pro Person. Wir suchten den Campingplatz und fanden dort einen Splitparkplatz mit nicht ganz so tollen Sanitäranlagen, aber ok, für 2 Nächte auszuhalten - zumindest gab es dort 24h- warme Duschen, ein großer Pluspunkt. Wir gingen nachmittags noch in den Ort hinein, um in einer deutschen Bäckerei Brot zu kaufen und einen Kaffee mit Apfelstrudel zu essen/trinken. Wir sahen uns noch ein in den Läden um, konnten aber nichts Interessantes finden. Auf unserem Campingplatz gab es auch ein gutes, recht günstiges Restaurant (El Ovejero), wo wir abends essen gingen. 

 

23.03. um 7.40 Uhr fuhren wir die 47 Kilometer in Richtung Puerta Bandera, wo der Katamaran für die heutige Tour abfuhr. Die Fahrt dorthin war sehr schön, die schneebedeckten Berge leuchteten in der aufgehenden Sonne rosarot. Kurz vor dem Ziel sahen wir passend dazu die rosa Flamingos im kalten Wasser stehen. Der Katamaran war auf Grund des Wochenendes sehr gut besucht, 180 Leute finden darauf Platz. Wir saßen bei einem jüngeren brasilianischen Paar, mit dem wir uns gut unterhalten haben. Um 9 Uhr legten wir ab und es ging auf große Tour. Auf dem hellgrünen Lago Argentino ging es auf dem Nordwestkurs nach Punta Avellaneda und Boca del Diablo, wir steuerten den Spegazzini Gletscher an, der 25 km lang und nur 1,5 km breit, dafür aber bis zu 120 m hoch ist. Wir fuhren mit dem Katamaran recht dicht heran und bekamen so erst einmal eine Vorstellung für die immense Höhe. Der Gletscher tat uns den Gefallen und kalbte, heißt, daß Stücke vom Gletscher abbrachen und mit großem Getöse in den See fielen. Die Leute - wir inklusive - fotografierten und filmten in einer Tour. Weiter ging es immer wieder an riesigen Eisbergen vorbei, die in einem Wahnsinns-Blau in der Sonne leuchteten. Es fehlten nur noch die Pinguine und man hätte sich in die Antarktis versetzt gefühlt. Einen Landgang hatten wir an der Las Vacas Station (Hafen der Rinder), wo versucht wurde und wird, die dort freilebenden Rinder einzufangen und nach El Calafate zu bringen, da sie hier einigen Schaden angerichtet haben, indem sie junge Sträucher abfressen. Weiter ging es zum Upsala Kanal und Gletscher, den wir aber nur aus größerer Entfernung sehen konnten. Zwischendurch bekamen wir dann noch unser Lunchpaket, um uns zu stärken. Der letzte Anlaufpunkt und das heutige Highlight war der Perito-Moreno-Gletscher, der mit seiner Länge von 30 km und einer Gesamtfläche von 254 km² gigantisch ist. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern dieses NP Los Glaciares zieht er sich nicht zurück. Um 17 Uhr legten wir wieder an und ein toller Tag bei größtem Teil Sonnenschein ging zu Ende. 

24.03. heute fuhren wir die Ruta 40 weiter in Richtung Süden, wir wählten die weitere, asphaltierte Strecke, die Abkürzung soll wohl eine üble Schotterpiste sein. Somit waren wir letzendlich sicher doch schneller und unser Bus wurde geschont. Die Fahrt ging durch öde Pampa, ab und zu lief ein Guanako über die Straße oder sprang grazil über den Zaun. Einige Nandus spazierten ebenfalls am Straßenrand entlang. Der Wind, der hier sonst schon einmal heftig weht, hielt sich in Grenzen, wir hatten es schon einmal schlimmer erlebt. Unser heutiges Ziel war der Campingplatz Güino in Puerto Natales, der ganz gut mit heißen Duschen und großer Küche ausgestattet war. Wir stellten uns vor den Windschutz, der allerdings nur bis zu unserem Dach reichte. Nachdem wir dort ein paar Tips zum NP Torres del Paine bekommen haben, gingen wir zum Supermarkt, um einzukaufen. Jede Menge Touris deckten sich bei sehr eingeschränktem Angebot vorwiegend mit Nudeln und Tomatensoße - wie wir auch- ein. Wieder zurück, kochten wir erst einmal die Bolognese, die wir dann zusammen mit den Nudeln in den Nationalpark mitnehmen wollten, denn dort müssen wir uns selber versorgen. Wir hörten nur von einigen Leuten dort, daß der Park sehr voll sei, obwohl die Saison sich eigentlich dem Ende neigt und selbst der Campingplatz zum 01.04. schließt und erst wieder im Oktober öffnet. Abends gingen wir noch einmal in den Ort, um die gut bewertete Pizzeria La Mesita Grande aufzusuchen, dies war aber eine der schlechtesten und teuersten Pizzen, die wir bis jetzt hatten. Abends stellten wir das Dach auf, als wir jedoch eine halbe Stunde im Bett lagen und der Wind oder besser gesagt der Sturm heftiger wurde und das Dach doch ganz schön durchgeschüttelt wurde, hielten wir es doch für besser, es wieder herunterzulassen, was bei dem Sturm garnicht so einfach war, aber wir haben es dann letzendlich geschafft und schliefen beruhigt ein. 

25.03. beim Frühstück unterhielten wir uns mit einer Schweizerin, die die große Wanderung zum Torres Base Camp gemacht hat. Sie erzählte, daß viele Touris dort unterwegs waren und man teilweise warten mußte, um die entgegenkommenden Massen vorbeizulassen - und das zum Saisonende. Wir erinnerten uns, daß wir vor 15 Jahren diese Probleme nicht hatten. Es waren eine Handvoll Leute - in der Hauptsaison - auf dem Weg. Ja, die gute "alte Zeit". Zuerst fuhren wir zur Laguna Azul, von der wir einen sehr schönen Blick auf die Cuernos und Torres hatten.

Dieser Nationalpark kostet zwar € 28,- Eintritt pro Person (für 3 Tage), doch das hält die Tausenden von Touris nicht davon ab, diesen wirklich tollen Park zu besuchen. So machten wir uns auch auf, um ca. 2 Stunden zum Park zu fahren. Die Natur dort begeisterte uns wie schon vor 15 Jahren, zum Glück ist die Natur hier immer noch gut erhalten, die Guanakos haben sich in den letzten Jahren unheimlich vermehrt (nachddem sie fast vom Aussterben bedroht waren), die 3 Granittürme - die Torres - nach denen der Park benannt wurde und die hornförmigen Gipfel der Cuernos del Paine überragen alles. Den Grey Gletscher haben wir dieses Mal nur aus der Ferne gesehen. Wir gingen an diesem Tag noch den Weg zum Salto Grande (großer Wasserfall) und zu den Cuernos. Eine schöne Wanderung bei Sonnenschein, bei der wir das türkis/grüne Wasser herrlich leuchten sahen. Die abgestorbenen Bäume leuchteten silbern in der Sonne. 

Zum Nachmittag hin stellten wir uns auf den Parkplatz in der Nähe der Rangerstation am Salto Grande, dort gibt es 24h-Zugang zu den Toiletten, Blick auf das Wasser und das für €0,00 !!! Wir kochten die Nudeln, wärmten die vorbereitete Soße auf und schon war das Abendmahl fertig. Wir beobachteten, wie die Touris so langsam verschwanden und wir den Parkplatz (zusammen mit 2 anderen Campern) für uns alleine hatten. Eine ruhige Nacht....

26.03. eigentlich wollten wir ja die große Wanderung starten... haben uns dann letzendlich dagegen entschieden, da Jürgen wieder mit seinem Husten zu kämpfen hatte und der Sturm hier nicht gerade gesundheitsfördernd gewesen wäre. So frühstückten wir erst einmal in Ruhe und sahen, wie nach und nach die großen Busse hier ankamen und die Touris abluden, die dann teilweise mit dem Katamaran (30 Minuten Fahrt = € 48,- Hin-und Rückfahrt) zum Anfang eines Wanderweges gebracht wurden. Ein Riesenandrang !! wie soll das nur in der Hochsaison aussehen? dann hätten wir hier sicherlich auch keinen Platz zum Parken gefunden... Nachdem wir uns das Schauspiel eine Weile angesehen haben und sich der Himmel zugezogen hat, Sonne ade, fuhren wir noch eine Weile durch den Park, um ihn dann am südlichen Ausgang in Richtung Puerto Natales zu verlassen. Tschüss Torres del Paine, es war wieder schön hier. Weiter ging es auf einer wieder etwas öden Strecke nach Punta Arenas. Mangels Campingplätzen suchten wir per IOverlander ein Hostal. Das erste war eine ziemliche Kaschemme, wo ich nicht eine Nacht verbringen wollte, also weitergesucht. Die 2.Adresse, die wir aus dem Lonely Planet herausgesucht hatten, gab es wohl nicht mehr, dafür ein anderes Hostal, wo wir dann in ein Appartment einzogen, auch nicht schlecht, teurer, dafür hatten wir dort eine Küche, wo wir die restlichen Nudeln zubereiten konnten. 

 

27. + 28.03. Ruhetage in Punta Arenas, Jürgen hatte etwas Zeit, seine Erkältung auszukurieren und wir konnten noch ein wenig die Weiterreise planen. Also nichts Besonderes, zumal der Ort an der Magellanstraße auch nicht allzuviel zu bieten hat. Somit nutzten wir die Zeit zum Ausruhen, Lesen, etwas durch den Ort Bummeln, u.a. mußten wir noch die Tickets für unsere Fährfahrt für den nächsten Tag bezahlen fahren. 

29.03. heute um 7 Uhr Frühstücken, da wir um 8 Uhr an der Fähre stehen mußten, das bedeutete 20 Minuten Fahrt dorthin. Heute war es grau, regnerisch und schon recht stürmisch, so daß wir mit einer schunkeligen 2 stündigen Überfahrt rechneten. Die Fähre legte pünktlich ab und war gut besetzt. Die Fahrt war dann doch ruhiger als gedacht, man mußte zwar im Seemannsgang über das Deck laufen, aber es hielt sich in Grenzen. Jetzt kam sogar die Sonne heraus und wir konnten in der Ferne bereits Feuerland sehen. Nach 2 Stunden kamen wir pünktlich in Porvenir an, wo wir dann noch 1 3/4 Stunden über eine vorwiegend gute Schotterpiste in Richtung Parque Pingüino Rey fuhren, wo wir bei gefühlter Windstärke 12 aus dem Bus kletterten, man mußte aufpassen, daß die Türen nicht aus den Angeln gehoben wurden. 

Wir gingen zum Eingang und eine Einführung ging dann auch direkt mit noch ein paar anderen Touristen, die sich hier per Drahtesel durch den Sturm gekämpft haben, los. Alle Achtung vor den Fahrradfahrern !!! Hier kann man die einzige Gruppe von Königspinguinen außerhalb der Antarktis sehen. Der Königspinguin ist nach dem Kaiserpinguin die zweitgrößte Art der Pinguine; ein ausgewachsener Königspinguin wir bis zu 85 - 94 cm groß und bis zu 10 - 16 kg schwer. Zur Zeit konnten wir auch noch gut die 2 Monate Alten Jungen im flauschigen grauen Federkleid sehen. Zum Schutz der Pinguine durfte man sie nur aus einer Entfernung von ca. 50 Metern beobachten. Ein tolles Schauspiel. Leider wurde uns die Lust auf einen längeren Aufenthalt, um die lustigen Artgenossen zu bestaunen  durch den starken Sturm etwas genommen. Wir hatten echte Probleme, geradeaus zu laufen geschweige denn die Kamera ruhig zu halten. Wahnsinn !! So verabschiedeten wir uns von diesem eindrucksvollen Ort doch schneller als geplant. Weiter ging die doch recht lange Fahrt nach Ushuaia, teilweise führte sie an dem großen See Fagnano vorbei. Die Dämmerung setzte schon ein, als wir dann zu unserem Endziel der Panamericana-Tour kamen, Ushuaia. 2011 sind wir von hier in die Antarktis gestartet und nun soll es das (vorläufige) Ende unserer 11 monatigen Fahrt sein !!

Für das offizielle Ende der Tour haben wir ein Hotel gebucht, mit Blick auf den Beagle-Kanal. Abends aßen wir in einem eher rustikalen, aber dafür bekannten guten Restaurant "El Viejo Marino" die hiesige Spezialität, die Königskrabbe (nicht im Ganzen, dies bedeutet harte Tischarbeit).  

30.03. Ushuaia, hier fallen die Anden, eine gigantische Gebirgskette, die uns über weite Strecken auf unserer Tour begleitet haben, in das Polarmeer ab, abschließend mit der südlichsten Stadt der Welt. Diesen Ort nach nunmehr 11 Monaten zu erreichen hieß für uns das Ende der Panamericana, der Traumstraße der Welt - nach insgesamt 60856 gefahrenen Kilometern !! Ein Traum wurde erfüllt, wir haben 16 Länder bereist, viele sehr freundliche, hilfsbereite Menschen getroffen, viele Kulturen kennengelernt, tausende von Eindrücken, die wir gewonnen haben und die uns immer begleiten werden. Alles hat ein Ende... doch jetzt nur nicht sentimental werden !! Einige interessante Ziele liegen in den nächsten ca. 7 Wochen noch vor uns bevor es wieder nach Hause in die Heimat geht, jedoch bis zur Rückverschiffung von Montevideo am 22.05. wird noch einiges passieren. Also dann mal los. Heute schauten wir uns noch einmal Ushuaia mit seinen hübschen bunten Häusern, aber auch häßlichen Wohnblocks an, der Ort umgeben von den letzten schneebedeckten Bergen der Anden. Wir gingen ein Stück an der Promenade, die am Hafen entlangführt, vorbei und sahen die Kreuzfahrtschiffe, die in Richtung Antarktis starten. Jedoch jetzt zum Winter hin dürfte die Saison vorbei sein, obwohl hier noch viele Touris herumspazieren. Das Wetter wechselt von starker Bewölkung, Nieselregen zu Sonnenschein, das typische Wetter für diese Gegend, jedoch ist es nahezu windstill, das kann man kaum glauben. Am Nachmittag fuhren wir in den südlichsten Nationalpark Argentiniens, Tierra del Fuego, dort, wo die Nationalstraße 3 endet, der südlichste Punkt unserer Tour. 

Den Nachmittag nutzten wir zum Kaffeetrinken und Flüge buchen (erwies sich als etwas komplizierterem, langwierigerem Unterfangen), aber letzendlich war es geschafft und auch dieser letzte Punkt unserer gesamten Tour ist jetzt festgelegt. Abends gingen wir zum Essen noch einmal in den Ort. 

Ushuaia

Nationalpark Tierra del Fuego

31.03. wir nehmen Abschied von Ushuaia bei Nieselregen und grauem Himmel. Jetzt wird quasi die Heimreise angefangen. Noch ein letztes Abschiedsfoto am Ortsausgang und die letzte Fahrt durch die Ausläufer der Anden. Wir fuhren dann ein recht langweiliges Stück durch die Steppe bis zur argentinisch/chilenischen Grenze, wo wir wieder in Rekordzeit durchgewunken wurden. Dort trafen wir 3 Deutsche, Vater mit 2 Söhnen, die auf einem nicht einmal 2wöchigen Kurztrip Patagonien bereisten. Wir konnten mit ihnen noch ein paar chilenische gegen argentinische Pesos tauschen. Jetzt ging es noch ein ganzes Stück durch Chile bis nach Bahia Azul, wo wir ein Fähre in Richtung Punta Delgada nahmen, die Überfahrt bei ruhiger See dauerte nur 20 Minuten und schon ging die Fahrt weiter. Wir wollten erst in Punta Delgada bleiben, doch wir beschlossen, daß wir heute die noch verbleibenden 190 Kilometer nach Rio Gallegos fahren. Auch die chilenisch/argentinische Grenze haben wir schnell hinter uns gebracht.  Die 3, die wir bereits an der anderen Grenze getroffen hatten, fragten wir nach der Adresse ihres Hotels und wir fuhren auch dorthin. Für € 50,- inkl.  Frühstück übernachteten wir ebenfalls dort, war sehr gut. Wir gingen abends noch zusammen etwas essen und schlossen den Abend mit einem Bier in der Hotelbar ab.