01.04. morgens mußten wir erst einmal einkaufen gehen, da wir auf Grund der Grenzübertritte und damit verbundenen Lebensmittelkontrollen vorher den Kühlschrank so gut wie leer gegessen hatten. Die Ruta 3 parallel zur Ostküste Argentiniens führt durch eine recht öde und flache Steppenlandschaft. Am Straßenrand weiden Herden von Guanakos, warum müssen sie eigentlich immer direkt am Straßenrand fressen? es gibt soviel Platz ringsherum... ab und zu überlegen sie sich dann auch noch, die Straße zu überqueren, um ihren Kumpels auf der anderen Seite zu folgen, somit sehen wir auch einige tot am Straßenrand liegen, die wohl die falsche Richtung eingeschlagen haben. Eine weitere Abwechslung sind die Nandus, die man mit ihrem grauen Federkleid kaum von den Büschen unterscheiden kann. Wir fahren erst einmal bis zum Nationalpark Monte León, wo wir nach einer 16 Kilometer-Schotterpistenfahrt zum Parkplatz gelangen, wo ein Weg zu den Magellanpinguinen losgeht. Der Naturpfad führt 2,5 Kilometer durch die Steppe bis wir die ersten kleinen Pinguine sichten. Auf dem Weg dorthin tummeln sich wohl auch Pumas, denen wir zum Glück nicht begegneten. Für den Fall einer ungewollten Begegnung gibt es hier Schilder mit Hinweisen, wie man sich in dem Falle verhalten soll. Wir gehen weiter in Richtung Atlantik, wo gleich schon ein Pinguin am Wegesrand auf uns wartet. Sie werden bis zu 44 cm groß, ca. 4 kg schwer und bis ca. 15 Jahre alt (wenn sie nicht von irgendeinem Feind vorher gefressen werden). In dieser Bucht, die von einer steilen Sandsteinfelsenküste umgeben ist, lebt eine Kolonie von etwa 60.000 Pinguinen. Die jungen Pinguine konnte man daran erkennen, daß sie versuchten, sich das restliche "Baby-Federkleid" mit dem Schnabel herauszurupfen. So sahen einige wirklich noch ziemlich zerrupft aus, niedliche kleine Kerle, die man stundenlang beobachten könnte - wenn es dann nicht angefangen hätte, zu tröpfeln. Somit gingen wir dann doch wieder zügig zum Bus zurück. Während der Weiterfahrt fing es dann richtig an zu regnen und es trübte sich immer mehr ein. Unser heutiges Ziel, Puerto San Julián, ein Küstenstädtchen, wo Magellan 1520 zum ersten Mal ankerte, hat sonst nicht viel zu bieten. Bei dem Sch... wetter zogen wir es vor, in einem günstigen Hostal zu übernachten und nicht auf dem zugigen, nass-kalten Campingplatz.

Nationalpark Monte León

02.04. nach einer stürmischen Nacht, heißt, der Sturm pfiff um das Haus herum, die Musik in der Nachbarschaft wummerte bis in die frühen Morgenstunden (heute war Feiertag, so konnte man es ordentlich krachen lassen). Heute fuhren wir die öde Ruta 3 weiter, nur ein paar Guanakos und Nandus am Straßenrand konnten uns ein wenig aufheitern. Ursprünglich wollten wir nach nach Puerto Deseado fahren, um von dort eine Bootsfahrt zur Pinguininsel zu machen. Unser Pech, die Saison endete Ende März, wirklich sehr schade !! da die Touren wohl sehr interessant sein sollen.

50 Kilometer vor unserem eigentlichen Ziel Comodoro Rivadavia machten wir eine Mittagspause an einem Strand, wo sich Hunderte von Seelöwen tummelten. Eine nette Abwechslung und ein schöner Ausblick für unser Picknick. Schön zu sehen, wie die Jungen im Wasser herumtollen, die Alten liegen faul am Strand, ab und zu wird sich geräkelt und ein bißchen mit den Artgenossen um den Platz gestritten. Ein nettes Schauspiel. In Comodoro waren wir die Einzigen auf dem Campingplatz, tja, die Saison ist vorbei. Nach einem Kaffee gingen wir an der Strandpromenade spazieren und bewunderten die netten Häuser dort. Irgendwann drehten wir um und suchten nach einem Restaurant- nach einigem Hin- und Hergelaufe fanden wir einen Sushi-Laden. Heute waren viele Restaurants wegen des Feiertages geschlossen. Zurück auf dem Campingplatz peilten wir die Windlage und es wehte doch ordentlich, so daß wir beschlossen, daß Dach lieber unten zu lassen. 

03.04. wieder ein ödes Stück auf der Ruta 3, heute mit wirklich keinem Highlight. Es hieß, Kilometer zu machen, das bei zeitweise starkem Seitenwind. Irgendwann kamen wir in Puerto Madryn an, wo wir wieder, dieses Mal mit einigen anderen Campern unseren Bus auf dem Campingplatz abstellten. Nach dem obligatorischen Kaffee gingen wir zum Ecocenter, einem kleinen Museum, wo wir einige Informationen zu den hier lebenden Walen, Pinguinen, Delfinen etc. bekamen, eine gute Vorbereitung auf den morgigen Besuch der Halbinsel Valdés. Abends gingen wir 35 Minuten an der netten Strandpromenade entlang zu einem Fischrestaurant. 

 

04.04. weiter ging es in Richtung Valdés, wo wir erst einmal das Infocenter ansteuerten. Dort erklärten sie uns, daß der Höhepunkt der Flut heute um 11 Uhr kommen wird und man am Punta Norte je 2 Stunden vor und nach der Zeit die Orcas sehen könnte. Dies bedeutete jedoch 2 Stunden Fahrt auf einer ganz gut zu fahrenden Schotterpiste bis dorthin, so daß wir erst um 12.15 Uhr dort eintrafen und zwar die schöne Landschaft bewundern konnten und die Seelöwen am Strand liegen sahen, jedoch keinen Wal gesehen haben. Hinzufügen muß man, daß die Jagdtechnik der Orcas auf Valdés einzigartig ist, nirgendwo sonst auf der Welt jagen die Orcas auf diese besondere Weise. Hier stranden die Orcas mit voller Absicht, um die jungen, herumtollenden Seelöwen direkt am Strand zu fangen. Nachdem der kleine Seelöwe gepackt wurde, läßt sich der Orca mit der nächsten großen Welle zurück ins Meer ziehen. Ein besonderes, in unseren Augen brutales Vorgehen, doch so ist das Leben; auch Orcas müssen fressen...Nach einer Weile gaben wir auf und fuhren ein sehr rappeliges Stück Wellblech-Schotterpiste zur Caleta Valdés, wo man die Magellan-Pinguine auf  einige Zentimeter Entfernung beobachten konnte. Anfassen und mitnehmen nicht erlaubt !! Weiter ging es zum Punta Cantor, wo wir See-Elefanten faul am Strand herumlagen, wir konnten sie nur aus größerer Entfernung sehen. Von dort fuhren wir dann zum Campingplatz in Puerto Pirámides, dort war die Schranke offen, aber es war kein Mensch zu sehen. Zum Glück kamen ein paar Franzosen mit ihrem Leihvan angefahren und sie meinten, man könnte hier umsonst stehen. Also suchten wir uns einen Platz, wir waren dort nicht ganz alleine. 2 weitere Franzosen kamen auch etwas unschlüssig mit ihrem T2 auf den Platz gefahren, ein Ami kam mit seinem Motorrad und so waren wir schon einige Leute, die halt die Gebühr für diese Nacht gespart hatten. Wir plauschten ein wenig mit unseren Campingfreunden und gingen dann erst einmal zum 100 Meter entfernten Strand. Dort war nicht viel los und das Wasser lud auch nicht gerade zum Schwimmen ein. Dustin, der Ami, gab uns den Tip, daß sie in der einzigen Kneipe, die im Ort jetzt zur Nachsaison noch geöffnet war, Happy Hour von 18 Uhr an hatten. Also nichts wie hin und wir trafen dort noch die 4 Franzosen und Dustin. Ein netter Abend mit ein paar Bierchen. Das französische Paar erzählte uns, daß sie heute Orcas gesehen hatten und sie deshalb morgen wieder hinfahren würden. Wir waren uns bis dahin nicht schlüssig, ob wir noch einmal die 80 km Schotterpiste dort oben hinfahren sollten, doch da alle hinfahren werden, war es für uns auch kein Thema mehr, also Wecker stellen.

 

05.04. früh aufgestanden, gefrühstückt und wieder auf die schöne Staubpiste zur Punta Norte, dieses Mal waren wir rechtzeitig dort. Erst einmal passierte garnichts, doch dann tauchten in der Ferne die Finnen einiger Orcas, auch Killerwale genannt, auf. Sie zogen vor der Küste ihre Kreise, bis sie beschlossen, ganz dicht am Strand entlang an uns vorbeizuschwimmen. Wir dachten, daß in jedem Moment ein Wal auf den Strand abbiegen würde, um sich einer niedlichen Seelöwen zu schnappen, doch sie schwammen weiter. Weitere Orcas schwammen ebenfalls vorbei. Schon ein tolles Schauspiel, aber sonst passierte nichts. Also hieß, auf dem Beobachtungsposten zu bleiben, in der Hoffnung, daß sie es sich anders überlegen und doch noch zum frühstücken kommen. Tatsächlich nach einer ganzen Weile kamen sie zurück, schwamm wieder ganz dicht am Strand entlang, waren allerdings entweder satt oder haben die richtige Beute nicht entdeckt. Nichtsdestotrotz waren wir hocherfreut, die Orcas doch noch gesehen zu haben. Die schwarz-weißen Wale werden bis zu 9 m lang (Männchen) und die Weibchen erreichen eine Länge von ca. 7 m; besonders auffällig ist die bis zu 1,8 m hohe dreieckige Finne der Bullen, die dieser Art den Namen "Schwertwal" gab. Wir blieben noch eine Weile, um zu sehen, ob noch etwas passiert, machten uns jedoch gegen Mittag dann auf den Weg, um zum Badeort Las Grutas zu fahren. Gegen Nachmittag trafen wir auf dem Campingplatz ein und waren mit noch 2 weiteren Personen alleine auf weiter Flur. Tja, jetzt in der Nachsaison kann man froh sein, überhaupt noch einen offenen Platz zu finden. Wir gingen dann in den Ort, um zu Abend zu essen, vergaßen aber wieder einmal, daß die meisten Restaurants (falls sie zu dieser Jahreszeit überhaupt noch öffnen) erst um 20 Uhr oder später öffnen. Zum Glück haben wir noch eine Bar gefunden, wo wir ein Bierchen tranken. Um 20 Uhr fanden wir dann endlich, hungrig, einen Laden, wo wir eine leckere Meeresfrüchte-Tapas-Platte aßen. 

und so hätte es aussehen können...

06.04. von einem Badeort zum nächsten, heute war Balneario El Cóndor an der Reihe, nur 220 Kilometer entfernt. Dort fanden wir wieder auf dem "überfüllten" Campingplatz ein Plätzchen für uns, mit weiteren 8 Leuten. Kurz über die Straße und man war an einem kilometerlangen, menschenleeren Strand. Das Besondere an diesem Ort sind die 35.000 Papageienpärchen, die hier in den kilometerlangen Klippen leben. Sie erreichen eine Größe von ca. 40 cm, sind schön bunt, werden bis zu 30 Jahre alt, die Paare bleiben - im Gegensatz zu den Menschen - ein Leben lang zusammen. Die Papageien hört man schon von weitem, mit einem Riesengezeter fliegen sie zur Steilwand, fliegen wieder weg, sitzen in ihren Nischen und beobachten wahrscheinlich von dort oben die Touris mit Fotoapparat. Abends konnten wir die Flugformationen über dem Campingplatz beobachten. Toll. Heute beschlossen wir, daß es mal wieder Zeit wird für ein vegetarisches, selbstgekochtes Nudelgericht  - natürlich mit einem chilenischen Rotwein, den wir noch im Gepäck hatten. 

07.04. vor dem Frühstück gingen wir erst noch einmal die Viertelstunde zum "Vogelpark", jetzt schien die Sonne bei Ebbe schön auf das bunte Federkleid. Frühstück und Pläne für die restlichen Wochen schmieden. Um 14.30 Uhr fuhren wir dann die 3 Stunden nach Bahia Blanca, wo wir für diese Nacht mangels Campingplatz ein Hotel reserviert haben. Als wir dort ankamen, gingen wir zu Carrefour einkaufen, nun ja, das Angebot war doch eher eingeschränkt, einige Regale waren wie leergefegt. Aber wir haben alles soweit bekommen, man macht halt mit der Zeit Abstriche. Abends Steak essen gewesen, war ganz ok.

 

08.04. morgens gingen wir noch einmal zum Hauptplatz, der von einigen recht ansehnlichen Häusern umgeben ist. Aber viel zu bieten hat Bahia Blanca nun nicht, so daß wir den Ort recht schnell verließen. Wir fuhren in Richtung Córdoba, jedoch war die Strecke zu weit, um sie an einem Tag zu fahren. Also steuerten wir unsere heutige Übernachtungsstelle, den Parkplatz einer Shell-Tankstelle in dem Kaff Vicuna Mackenna an, das sonst auch wirklich garnichts zu bieten hatte. Der Platz war garnicht so übel, mit 24h-Toilette und einem Restaurant für abends, wo wir um 20 Uhr noch gut und günstig gegessen haben - die Übernachtung kostete nichts, so daß dies eine recht preiswerte Nacht war. Viel war an der Tankstelle nicht los, so daß man gut schlafen konnte. 

 

09.04. nach einem Frühstück im Bus fuhren wir dann in aller Ruhe nach Cordoba, wo wir mitten in der Stadt ein Appartment (AT-Suites) für ganze € 32,- die Nacht inkl. einem Mini-Frühstück und Parkplatz gemietet hatten. Die Wohnung in der 9.Etage war gut eingerichtet, sogar mit Balkon und Küche, was will man mehr. Der Außenpool auf dem Dach war jetzt im Herbst nicht mehr im Betrieb. Wir erkundigten uns an der Rezeption nach guten Restaurants und bekamen einige Tips.  Da es noch recht früh am Tag war und uns mal wieder Hunger übermannte, gingen wir einen Salat essen und leisteten uns einen Kaffee, der ausnahmsweise wirklich gut schmeckte. Hier trinkt man ja eher den ganzen Tag Mate (Tee). Wir liefen anschließend zum Plaza San Martin wo natürlich auch wieder die imposante Kathedrale stand.

Um 16 Uhr beschlossen wir spontan, eine Stadtrundfahrt mitzumachen, der alte original Londoner Stadtbus fuhr dann auch gleich los und eine recht interessant Tour begann, auf der wir uns einen ersten Überblick verschaffen konnten. Nach 1 1/2 Stunden hatten wir wohl die wichtigsten Gebäude, Parks und Brücken gesehen, hier kann man schon einige Tage in Ruhe verbringen. Die Stadt hat einige verkehrsfreie Geschäftsstraßen, durch die wir ein wenig schlenderten, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Abendessen war heute für 21 Uhr geplant (dann erst öffnete der gute Steakladen). Wir genehmigten uns noch ein  Eis, damit wir die lange Zeit bis zum Steak überstanden. Zu der Zeit gehen manche Leute in Deutschland schon ins Bett !! Letzendlich hatten wir ein Abendessen im El Patio de Canada mit 2 Steaks, Pommes, Salat und einer Flasche Wein für insgesamt € 25,- , sehr lecker. Vielleicht eine etwas fleischlastige Ernährung, aber so ein gutes Steak zu dem Preis gibt es bei uns nicht !! also ausnutzen....

 

10.04. um 11 Uhr ging unsere Free Walking Tour von LaDocta vom Plaza San Martin los, 14 englischsprachige Touris folgten Tina, die uns erst einmal ein wenig zur Geschichte der Millionenstadt erzählte. Wir bekamen Infos zu diversen Kirchen, Museen, das Essen in Argentinien, sie erklärte uns das Ritual des Matetee-Trinkens, das nach speziellen Regeln zelebriert wird. Ein recht interessanter Einblick in das Alltagsleben der Argentinier, die nicht wie wir nur ihren guten Malbec-Wein trinken. 2 1/2 Stunden ging es durch diverse Viertel und es war wie immer eine sehr informative Tour. Die Gruppe löste sich auf und wir gingen zu einer kleinen Lebensmittelmesse und kauften dort, nachdem wir alles probieren konnten, recht gutes Brot, Salami, Käse und Honig, so sind wir erst einmal wieder für die nächsten Tage versorgt. Für € 11,- für uns Beide gingen wir beim Italiener essen (Gnocchi, Salat, je ein Getränk und Nachtisch), tja das war doch fast geschenkt, dieses Mal aßen wir zusammen mit den Einheimischen um 15.30 Uhr. Wir schauten uns noch eine Kirche an und beschlossen, daß wir noch 1 Tag länger hier bleiben und morgen die Nachmittags-Free Walking Tour um 17 Uhr mitmachen wollen. Also zurück zur Rezeption, um zu verlängern, dies war dann auch kein Problem. Abends machten wir uns im Appartment noch ein Salat und hatten keine Lust mehr, wieder loszumarschieren.

11.04. wir holten uns ein paar Medialunas (ähnlich wie Croissants, die sehr lecker sind) und genossen das Frühstück in unserer "Wohnung". Irgendwann  schlenderten wir los, wieder einmal ging es erst einmal zum Hauptplatz, San Martin, von dort aus gingen wir in das Museo de la Memoria, ein Museum zur Erinnerung an den "Schmutzigen Krieg" (1976-1978) während der Militärdiktatur, in dem in ca. 340 landesweit verteilten Einrichtungen willkürlich ausgewählte Kritiker ohne Prozeß monate- bzw. jahrelang gefoltert und teilweise umgebracht wurden. Schwangere Frauen wurden, nachdem sie in ihrer Gefangenschaft Kinder geboren hatten, ermordet und die Kinder wurden dann an Familien von Offizieren, teilweise gegen Bezahlung, weitergegeben, um diese dann im Sinne der Diktatur zu erziehen. Von ca. 500 Kindern konnten in der Zwischenzeit 128 den leiblichen Eltern zurückgegeben werden. Alle weiteren werden weiterhin gesucht. Ein dunkles Kapitel Geschichte... Leider haben wir im Museum, in dem alle Schautafeln fast ausschließlich in spanisch dargestellt waren, nicht allzuviel verstanden, so daß wir dort recht schnell alles gesehen hatten. Wir gingen dann zum Markt, in dem es natürlich vorwiegend Rindfleisch in allen Variationen zu kaufen gab, jedoch hingen auch ganze Ferkel am Haken und warteten auf Käufer, eher unfreiwillig....

Wir gingen wieder zurück "nach Hause", um weitere Pläne für die weiteren Wochen zu schmieden und dementsprechend Anfragen zu starten. Zum Mittagessen gingen wir noch kurz wieder für € 11,- zum Italiener, um dann wieder im Appartment zu verschwinden. Um 16.30 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zur 2. Free Walking Tour, die um 17.15 Uhr startete. Die Gruppe war mit 22 Leuten recht groß. Wir schauten uns einige Paläste (von außen) an, die teilweise europäischen Einwanderern gehörten. Auch der riesengroße Park Sarmiento wurde damals nach europäischem Vorbild angelegt, um den Italienern, Engländern etc. das schön Córdoba schmackhaft zu machen. Die Tour endete dann nach fast 3 Stunden im Stadtteil Güemes, lange Zeit ein Elendsviertel, in dem Armut, Kriminalität und Prostitution zum Alltag gehörten. Die Bewohner wurden irgendwann umgesiedelt, die Häuser wurden saniert und nun ist es wegen seines Altstadtcharakters zu einem Zentrum der Gastronomie und des Tourismus geworden. In ehemaligen Backhäusern, Lagerhallen etc. wurden sogenannte "gallerias" eingerichtet, in der man durch viele kleine Lädchen, Restaurants und Bars bummeln kann. Wir kehrten mit einigen der Gruppe noch in eine Bar ein, in man in der Happy Hour Bier und Pizza bekam. Ein netter Laden, wir unterhielten uns noch einige Zeit mit einem Kanadier, der in 5 Tagen 7000 Kilometer mit einem kleinen Mopped abfahren wollte, von Santiago nach Ushuaia, wo es jetzt immer kälter wird... ich glaube, wir haben es ihm ausgeredet - und 2 Deutschen, die für einige Monate in Südamerika herumtingeln, u.a., um spanisch zu lernen. Ein netter Abend ging zu Ende...

 

 

12.04. heute hieß es, daß komfortable Appartment zu verlassen. Wir fuhren nach Rosario, teilweise über eine gut ausgebaute Autobahn und wir sahen das Schild, Tempo 130 für Autos, na super, also hat Jürgen den Tempomat auf 130 gestellt und los ging die Fahrt. Irgendwann stand dort der Polizist mit der Laserpistole - nun ja, uns können sie ja wohl kaum geblitzt haben, denn wir wir sind vorschriftsmäßig unterwegs. Weit gefehlt, wir wurden einen Kilometer weiter herausgewunken, Fahrzeugpapiere und Führerschein bitte... dann die Behauptung, wir seien zu schnell gefahren !! Dieses Mal konnte dies aber nun wirklich nicht stimmen !! Doch meinte die Policia, wir dürften mit unserem Bus nur 110 km/h fahren, da dämmerte es ! Einige Pick-ups und Transporter ähnlich wie unser Bus haben hinten ebenfalls einen Aufkleber mit 110 sichtbar angebracht. Ok, wir gaben uns einsichtig. Ein 2.Punkt war, daß wir mit Licht fahren müssen und wir dachten, unser Tagfahrlicht würde reichen, auch das stimmte nicht. 2 x Strafe fällig? Nein, das war dem Polizisten wahrscheinlich zu kompliziert und so ließ er uns ziehen. Wir fuhren anschließend mit Licht !! 110 km/h, natürlich.

In Rosario fuhren wir dann erst einmal zu einer "Waschanlage", heißt, ein kleiner Hof, wo 2 Jungs mit Hochdruckreiniger und einen Eimer Wasser auf Kundschaft warteten. Für € 4,- bekam der Bus eine Handwäsche und war danach ziemlich sauber, in der Zwischenzeit wurden uns 2 Stühle auf den Bürgersteig gestellt, so daß wir den Jungs bei der Arbeit zusehen konnten. Anschließend suchten wir unser Hotel mitten in der Stadt, wieder mit Garage direkt am Hotel. Das Hotel ist recht altertümlich, jedoch günstig. Am Nachmittag gingen wir noch durch die Geschäftsstraße zum Rio Paraná, ein bis zu 1 km breiter Fluß  mit einigen Inseln in der Mitte des Flusses. Von der Uferpromenade kann man gut die Frachtschiffe beobachten. Da uns bis zum Abendessen um 20 Uhr reichlich Zeit blieb, bummelten wir noch ein wenig auf der Promenade bis wir an einigen Lagerhallen vorbeikamen, in denen Kunst, Akrobatik und Musik angeboten wurde. Um 19.50 Uhr gingen wir zum Fischrestaurant, wo die Leute schon Schlange standen, um hereingelassen zu werden. Um Punkt 20 Uhr wurde die Tür geöffnet und die Wartenden auf die Tische verteilt, um 20.30 Uhr waren dann auch alle Tische besetzt.  Als wir 1 1/2 Stunden später gingen, warteten immer noch viele Leute auf "Einlass".

 

13.04. um 10 Uhr startete mal wieder eine Free Walking Tour, dieses Mal ging es 2 Stunden mit Victoria und insgesamt 4 Touris und einem Einheimischen, der näheres zu seiner Stadt erfahren wollte, durch Rosario. Ehrlich gesagt hatten wir davon nicht allzuviel versprochen, da Rosario wenig hinsichtlich Kirchen und schönen Gebäuden und Kirchen zu bieten hat. Aber es wurde doch wieder interessant. So erfuhren wir einiges über Wirtschaftskrisen, Diktatur und anderen Aspekten des alltäglichen Lebens. Wir sahen u.a. das Geburtshaus Che Guevaras, wo er die ersten 3 Monate seines Lebens verbrachte, bevor es für ihn weiter nach Buenos Aires ging. Die Tour endete am Nationalflaggendenkmal, einem monumentalen Komplex von ca. 10.000 qm. Von dem 70 Meter hohen Turm hat man einen guten Ausblick auf den Paraná und die Innenstadt. Anschließend gingen wir noch in die Kathedrale, die nicht so beeindruckend war. Nach dem Mittagessen gingen wir noch ein wenig an der Promenade spazieren und sahen die Restaurants, die am heutigen Samstag alle sehr gut besucht waren. Abends gibt es dann sicherlich noch ein Häppchen, die Argentinier lieben das Essen - nun ja, dann sind wir hier ja richtig. 

14.04. heute hatten wir keine Hektik, wir fuhren ganz gemütlich um 10.30 Uhr los - in Richtung Paraná, wo uns als Übernachtungsziel mal wieder eine Shell-Tankstelle erwartete. In dem Kaff Santa Fe, daß auf der Strecke lag, haben wir angehalten, da sie dort ein schönes Convent zu besichtigen haben, dies war jedoch sonntags geschlossen, so wie auch sonst das Städtchen wie ausgestorben war, ähnlich wie in Deutschland. Wir haben uns noch den Platz mit einigen netten Gebäuden angeschaut und sind dann auch gleich weitergefahren. In Paraná gibt es auch nicht so viel zu sehen. Das einzig Nette ist die Uferpromenade am Fluß Paraná, am Fluß selber gibt es einige angelegte Strände, wir haben uns mit unseren Campingstühlen auf dem Rasen mit Blick auf den Fluß und unseren Bus gesetzt. So haben wir dort den ganzen Nachmittag gesessen und konnten beobachten, wie die Argeninier ihren Sonntagnachmittag verbringen - nach und nach wurde der gesamte Rasen mit Familien bevölkert, die sich mit Klappstühlen, Thermoskanne mit Maté zu uns gesellten. Irgendwie wurde es immer voller. Um ca. 17.30 wurden dann an den Ständen die obligatorischen Croissants gekauft, die dann zum Tee gegessen werden. Wir machten uns so langsam auf den Weg zur Shell. Verglichen mit der letzten, recht komfortablen Tankstellenübernachtung, gab es hier außer Getränken und Süßkram nichts zu essen und die Stellplätze waren auch nicht gerade sehr einladend. Aber nun ja, wir haben uns dann unter die Bäume gestellt, wo es etwas ruhiger war, denn die LKW-Fahrer denken ja nicht im Traum daran, wenn sie auf die Toilette gehen oder sonstiges zu tun haben, für die Zeit den Motor abzustellen. Doch mit Oropax und nach einem abendlichen Festmahl mit unserer Salami und Käse hatten wir doch noch eine recht entspannte Nacht.

 

15.04. die Fahrt ging nach Mercedes, hat nichts mit der deutschen Automarke zu tun! Es schüttete fast die ganze Zeit, erschwerend kam hinzu, daß die Straßen in schlechtem Zustand waren, hieß tiefe Fahrrinnen, in denen das Wasser stand - Aquaplaning. Im Regen kamen wir auch an dem Campingplatz im Ort an, hieß, eine Wiese mit einem Klohäuschen und Duschen. Der zuständige "Verwalter" meinte nur, das Warmwasser für die Duschen würde nicht funktionieren, die Toiletten könnte er aber für uns aufschließen und natürlich die kalten Duschen... wir sahen uns Beide an und dachten nur: nichts wie weg, zudem wir auch keine große Lust hatten, im Pladderregen die Örtlichkeiten aufzusuchen. Also ging die Suche los nach einem Hostal. Eine von IOverlander empfohlene Adresse fanden wir im 3. Anlauf - alles besetzt, sie gab uns dann den Tip, es am Hauptplatz in einem anderen Hostal zu versuchen und dort hatten sie dann auch ein Zimmer für uns frei, nicht gerade sehr einladend, aber sauber und günstig. Abends gingen wir dann noch in einem gemütlichen Restaurant ein paar Straßen weiter essen. 

 

16.04. unser eigentliches Ziel war der kleine Ort Colonia Carlo Pellegrini, der im Nationalpark Esteros del Iberá liegt. Die ersten Kilometer fuhren wir entspannt auf einer asphaltierten Straße und wir dachten noch, dann ist die angebliche Schotterstraße doch ganz angenehm. Doch das sollte sich dann recht bald ändern. Eine rote Staubstraße, die durch den gestrigen Regen doch teilweise etwas matschig war, manche Passagen waren sehr holprig. Eine knappe Stunde vor Colonia C P fährt fuhren wir bereits durch den Nationalpark und wir sahen das erste Wasserschwein, den ersten Sumpfhirschen und jede Menge Vögel in allen Variationen. Dies entschädigte uns ein wenig für die Rumpelsfahrt. Um in das Dorf zu gelangen fuhren wir über eine holprige Brücke, die mit Holzbohlen belegt ist, hinter der Brücke ging es direkt links ab zum heutigen Campingplatz Iberá, der bis jetzt der schönste und gepflegteste Platz in Argentinien ist. Wir hatten einen schönen Stellplatz mit überdachtem Grillplatz, wo wir gut sitzen konnten, der Campingplatz ist direkt an der Lagune gelegen, wirklich toll. Die Esteros de Iberá sind die zweitgrößte Sumpflandschaft hinter dem brasilianischen Pantanal; das Areal ist 273 km breit und umfaßt 1,3 Millionen Hektar. Wir fuhren 2 Stunden mit einer geführten Tour durch die verzweigte Lagunenlandschaft. Mit einigen anderen argentinischen Touris ging es los, leider war das ganze nur in Spanisch, aber nun gut. Der Guide kannte natürlich die interessanten Stellen, die wurden dann auch gleich angefahren. Wir konnten viele Kaimane bewundern, sie sonnten sich auf den schwimmenden Inseln, lagen dort, das Maul mit den langen spitzen Zähnen weit aufgerissen, um die Körpertemperatur zu regulieren. Sie können bis zu 2,50 m lang werden. Menschen greifen sie wohl nicht an. Dann sahen wir die niedlichen Wasserschweine, die entweder im Wasser schwammen oder an Land gemächlich das Sumpfgras in sich hineinmampften. Sie können bis zu 1,30 m lang und bis zu 75 kg schwer werden. Gut versteckt im hohen Gras konnten wir auch noch ein paar Sumpfhirsche entdecken... und dann sahen wir noch viele interessante Vögel. Eine tolle Tour, die leider viel zu schnell vorbeiging. Leider war es tagsüber nicht ganz so sonnig, doch zum Abend hin konnten wir doch noch einen schönen Sonnenuntergang genießen. 

Irgendwann stand in unserer Nähe eine deutsche Familie, die sich fragte, wie ein Auto mit deutschem Kennzeichen hier herkommt. Jürgen dreht sich um und klärte sie erst einmal auf. Das ganze endete damit, daß wir mit ihnen zu ihrem Hotel gegangen sind, um dort gemeinsam zu Abend zu essen. Sie besuchten ihre Tochter in Argentinien, die hier ein Jahr zur Schule geht. Ein schöner Abend.

 

und die ganze Vogelschar

17.04. wir fuhren heute die Staubpiste weiter und wollten nach San Ignacio... es ging durch Weideland mit teilweise großen Rinderherden (irgendwo müssen die Steaks ja herkommen !), am Wegesrand überholten wir die Gauchos, die ihre Rinder teilweise vor sich hertrieben und freundlich grüßten. Nach der letzten Pi... pause, die wir einlegten, bevor es auf die asphaltierte Hauptstraße ging, wurde uns - mal wieder - der Druckverlust an allen Reifen angezeigt. Dies bedeutet eigentlich immer nur, daß die Anzeige, die bei Schotterpisten schon einmal aussteigt, wieder funktioniert. Wir fuhren also weiter und merkten, irgendetwas stimmt nicht. Also angehalten und siehe da, der Reifen hinten rechts war platt. Dieses Mal war er nun wirklich nicht zu retten, Risse und das Drahtgeflecht war auch schon zu sehen. Das hieß für uns, die Reifen halten  nicht wie geplant noch die letzten Wochen bis zu unserer Rückkehr, 2 neue müssen her. Also änderten wir kurzentschlossen unsere Pläne und fuhren den Umweg von 50 Kilometern in die größere Stadt Posadas, wo wir einen Michelin-Händler fanden. Hier haben wir die Reifen bestellt, die doch tatsächlich am nächsten Tag montiert werden. Also Termin vereinbart und weitergefahren nach San Ignacio, wo wir auf dem Rasenstück vor einem Hostal parken konnten. Dort stand noch ein deutsches Auto, aus Weiden aus der Pfalz. Die Beiden sind seit 4 Jahren unterwegs, mit kleinen Unterbrechungen, wenn sie nach Deutschland fliegen. Wir unterhielten uns kurz, denn wir wollten uns hier vor Ort noch die Jesuitenreduktion anschauen - oder das, was davon übrig geblieben ist. Nichts wie hin, denn um 18 Uhr werden dort die Pforten geschlossen. Die Mission San Ignacio Mini wurde von den Jesuiten 1696 an diesem Ort gegründet, um die einheimischen Guaraní zu missionieren. In der Blütezeit um 1730 wohnten hier ca. 4000 Personen. 1767, als die Jesuiten von den Spaniern vertrieben wurden, verließen die Indios die Reduktion und die Stadt blieb verlassen, vieles wurde von den Spaniern daraufhin zerstört. So sieht man jetzt leider nur noch die Ruinen der ehemals prächtigen Kirche und der umliegenden Wohn- und Handwerkerhäuser. Abends kochten wir mal wieder Nudeln, schmeckten uns aber sehr gut.